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Unterm Strich - Die Kulturwoche

Unterm Strich - Die Kulturwoche

Mord war ihr Hobby. Und ein ziemlich lukratives dazu.

"Ich liebe Leichen", gab Agatha Christie einmal zu. Dabei geht es in ihren Romanen eher unblutig zu. Angehörige der upper class dinieren in stattlichen Herrenhäusern, in deren Salon eine zumeist ästhetisch anzuschauende Leiche dazu dient, die grauen Zellen von Hercule Poirot oder Miss Marple auf Touren zu bringen. Mit diesen Figuren - und einigen weniger bekannten wie Inspektor Battle, Sir Henry Clithering oder Krimi-Autorin Ariadne Oliver - wurde sie die weltweit erfolgreichste Krimischreiberin. Von ihren rund 80 Romanen wurden etwa zwei Milliarden Exemplare verkauft. Ihr Theaterstück "Die Mausefalle" läuft seit Weihnachten 1952 auf Londons Bühnen - mittlerweile mehr als 25 000 Mal und nach und nach an modernere Zeiten angepasst: Irgendwann wurden aus Seidenstrümpfen Nylonstrümpfe. Aber der Täter oder die Täterin ist immer noch der-/dieselbe. Und jeden Abend, wenn der Vorhang gefallen ist, tritt einer der Schauspieler an die Rampe und bittet das verehrte Publikum, doch bitte die Lösung nicht zu verraten. Ach ja, warum wir das hier alles erzählen: Dame Agatha Mary Clarissa Christie Lady Mallowan wäre am 15. September 125 Jahre alt geworden. So ein Alter erreicht natürlich kein Mensch - aber ihren Romanen ist es durchaus zuzutrauen. 25 Jahre älter und mindestens ebenso lebendig sind zwei böse Jungs, die immer noch böse Jungs sind: Max und Moritz. Geschrieben und gezeichnet hatte Wilhelm Busch seine Geschichten auch nicht für Kinder, sondern für Erwachsene, die man ohnehin nicht mehr erziehen konnte. Buschs Verleger Heinrich Richter, der die Geschichten wegen zu großer Grausamkeiten abgelehnt hatte, dürfte sich hinterher schwarz geärgert haben, als sein Kollege Kaspar Braun das Manuskript 1865 veröffentlichte und den großen Reibach machte. Und die Moral von der Geschicht': Sei zu zartbesaitet nicht! Repektlosigkeiten anderer Art gibt es derzeit in Mannheim zu besichtigen: Sisi mit Entenschnabel, die Mona Lisa mit ziemlich ausgewalzten Lippen: Die Ausstellung im Museum Weltkulturen der Reiss-Engelhorn-Museen walzt 5000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte schnabelplatt. Für die Schau mit dem Titel "Duckomenta - Weltgeschichte neu ENTdeckt" (bis 24. April) zeichnet die Berliner Künstlergruppe "interDuck" verantwortlich. Zu sehen sind auch ein Porträt von Elvis Ducksley sowie die Freiheitsstatue, die in "ihre ursprüngliche Entenform zurückgeführt" worden ist. no/dpa