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Unterm Strich - Die Kulturwoche

Unterm Strich - Die Kulturwoche

Kunst und Kultur für lau: In Österreich entdecken viele junge Menschen das Museum als Freizeit-Ziel. Der Grund: Seit 2009 kommen Unter-19-Jährige umsonst in Bundesmuseen.

Es bleibe die Pflicht der Museen wie der Theater, sich Gedanken zu machen, "wie man das Publikum verbreitert, Jüngere anspricht und eine repräsentative Zusammensetzung der Gegenwartsgesellschaft erreicht", sagte der Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ). Zu dieser Öffnung gehöre auch, dass sich alteingesessene Besuchergruppen mit dem Gedanken anfreunden, in Zukunft auch junge Menschen neben sich zu haben. Der Theater- und der Museumsbesucher als solches sei "eine schmale Schicht von Wiederholungstätern". Früh übt sich, was ein solcher Wiederholungstäter werden will: Die elfjährige Komponistin Alma Deutscher ist bereits geübt und konnte vor wenigen Tagen ihre erste Opernpremiere feiern. Ihre Komposition rund um das Märchen "Aschenputtel" wurde von 300 Zuschauern im Casino Baumgarten, einem Kulturzentrum am Rande Wiens, begeistert aufgenommen. Damit die Jungen, Wilden sich mal an die große Kultur wagen, ist es wichtig, sie früh genug heranzuführen. Am besten erstmal über die kleine Kultur. Dabei sind Bücher ein beliebtes Mittel, um die Fantasie und das Einfühlungsvermögen zu schulen (nicht umsonst wird sich die elfjährige Komponistin einem Märchentext zugewandt haben). Der Autor des beliebten Kinderbuches "Sams", Paul Maar, bedauert es allerdings, dass der Kinderbuchliteratur in Deutschland wenig Respekt entgegengebracht wird. Der 79-Jährige wisse nicht, "warum das Literatur dritter Klasse sein soll". Ähnliches sagte bereits Fantasy-Altmeister J.R.R. Tolkien, der meinte, dass man sich alles erlauben dürfe, solange man vorgab, ein Buch für Kinder zu schreiben. Da ist aller Schwachsinn okay, man kann nach Herzenslust unseriös und kindisch, fantasievoll und durchgedreht arbeiten. Soll ja nur für Kinder sein. Wer so denkt, spielt herunter, welch große Bedeutung die Kindheit für den späteren Erwachsenen haben kann. Was Hänschen nicht lernt/liest/sieht/versteht, das lernt/liest/sieht/versteht Hans nimmermehr. Dabei soll es in Kulturgütern für Kinder nicht darum gehen, Schulwissen und ähnliches zu vermitteln; schließlich möchte man auch als Erwachsener nicht ständig belehrt und in Form gepresst werden. Schon gar nicht von der Kultur. Sondern sie soll zum Denken und Träumen anregen, dazu sich Inspirationen suchen und Beispiele zu nehmen und den (kindlichen) Horizont erweitern. Das historische Museum in Speyer hat da schon einen richtigen Riecher bewiesen: Im neuen Jahr möchte es mit zwei Großprojekten beim Besucher punkten. Auf dem Programm stehen Richard Löwenherz und Robin Hood, zwei Figuren, die Kinderherzen höherschlagen lassen, und genau deswegen auch Erwachsenen noch gefallen. Wer als Erwachsener die Namen hört, fühlt sich an seine Kindheit erinnert. An Geschichten, Hörspiele und Filme, die in Abenteuer entführten. Und wer sich daran erinnert, der wird vielleicht auch ins Museum gehen, um in Erinnerungen zu schwelgen und noch etwas mehr über die Kindheitshelden zu erfahren und die wahren Begebenheiten, die dahinterstecken könnten. dpa/Stefanie Braun