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Unterm Strich - Die Kulturwoche

Unterm Strich - Die Kulturwoche

Die Deutsche Tourismus-Zentrale will die Weltkulturerbestätten im Lande besser vermarkten. Es gelte, den "ungehobenen Schatz besser ans Licht zu bringen", sagte ein Sprecher Anfang der Woche.

2014 soll es sogar ein Themenjahr "Unesco-Welterbe" geben. Vielleicht schafft Trier (in der aktuellen Liste mit acht Stätten vertreten) es ja dann auch, aus dem Tiefschlaf nach dem Aus für Antikenfestspiele und "Brot & Spiele" wieder in die Puschen zu kommen. Andernorts geht man gelassener damit um, wenn Festspiele mehr Geld kosten als geplant. In Bad Hersfeld muss die Stadt etwa 350 000 Euro in die Festivalkasse nachzahlen, weil die Zuschauerzahlen anno 2013 hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Dabei liegt der Etat ohnehin schon bei stolzen 5,1 Millionen Euro - mehr als das Dreifache dessen, was die beiden Trierer Großveranstaltungen zusammen kosteten. Über einen Stopp der Festspiele redet in Bad Hersfeld niemand. Für die Salzburger Festspiele sind solche Summen ohnehin Peanuts - deren Budget liegt bei 61 Millionen Euro. Da kann man sich auch leisten, für Verdis "Don Carlos" die besten Sänger der Welt zu verpflichten: Jonas Kaufmann als Titelheld, dazu Anja Harteros, Thomas Hampson, Matti Salminen - nicht zu vergessen die Wiener Philharmoniker unter Stardirigent Antonio Pappano. Am Montag war Premiere der Inszenierung von Altmeister Peter Stein, die höchst gediegen, aber auch ziemlich konservativ ausfiel - zur Freude des Publikums. Letzteres ließ sich die besseren Plätze zwischen 200 und 400 Euro kosten. Es war halt schon immer etwas teurer, einen guten Geschmack zu haben. Das Frankfurter Variété-Theater Tigerpalast ist zwar auch nicht ganz billig, aber für 400 Euro kann man da schon locker zu dritt die Show samt Gourmet-Menü genießen. Dieser Tage feiert die Stätte der gehobenen Unterhaltung ihren 25. Geburtstag. Tigerpalast-Gründer Johnny Klinke gilt heute als der Mann, der die fast ausgestorbene Variété-Kunst in Deutschland wieder salonfähig machte. Etwa zur gleichen Zeit, als Klinke mit dem Kabarettisten Matthias Beltz seine ersten Pläne schmiedete, trennte sich der Musiker Roger Waters von seiner Band Pink Floyd. Was er mitnahm, waren die Rechte an dem Album "The Wall", einem Mammutwerk von geradezu opernhaftem Zuschnitt. Seither geistert die Rockshow um einen traumatisierten Musiker immer mal wieder über die Bühnen - aber die aktuelle Tour soll die letzte sein. Am vergangenen Wochenende war Deutschland-Premiere vor 28 500 begeisterten Zuschauern in der Frankfurter Commerzbank-Arena, wie immer mit einer gigantischen Styropor-Wand und reichlich Videotechnik. Am 21. September soll in Paris die Mauer zum letzten Mal einstürzen. Dieter Lintz Weitere TV-Kolumnen unter www.volksfreund.de/kolumne