Unterwegs im Vergnügungszug

Unterwegs im Vergnügungszug

Am Anfang eines jeden neuen Jahres steht die Frage: Was wird kommen, wohin geht die Reise? Beim Neujahrskonzert der Trierer Philharmoniker war das Ziel ganz klar definiert. Unterhaltung pur bei einer fröhlichen Fahrt mit dem "Wien-Paris-Express".

Trier. (gkl) Das hätte Bahnchef Hartmut Mehdorn gefallen. Ein Express von Wien nach Paris, voll besetzt, ohne Verspätung, in teilweise rasantem Tempo. So gab es also entspannte, freundliche Gesichter beim Neujahrskonzert der Trierer Philharmoniker im Stadttheater unter der Leitung von Generalmusikdirektor (GMD) Victor Puhl.

Dass der "Wien-Paris-Express", wie der Abend überschrieben war, problemlos rollen konnte, war auch der Tatsache zu verdanken, dass die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) einen Tag vor Weihnachten für die angeschlossenen Klangkörper einen Feiertagsfrieden verkündet und damit jede Streikgefahr abgewendet hatte.

Fahrtziel: der Radetzky-Marsch



Dynamisch und energiegeladen stürmte Puhl auf die Bühne und nahm beherzt den ersten Punkt des Fahrplans, die Overtüre zu Jacques Offenbachs Operette "La vie Parisienne", in Angriff.

Puhls Energie übertrug sich in Windeseile auf das Orchester, das spritzig wie ein guter Winzersekt, agierte - egal ob Violinen oder Kontrabässe, ob Hörner oder Fagotte. Im Mittelpunkt des Fahrplans standen Kompositionen der Familie Strauss. Vater und Sohn Johann waren ebenso vertreten wie Josef und Eduard. So gab es vom großen Johann junior den Walzer "Künstlerleben", die Polkas "Liebesbotschaft" und "Vergnügungszug" und das berühmte "Perpetuum mobile", das Puhl mit einem bezaubernden und gleichermaßen faszinierenden Pianissimo enden ließ. Strauß senior gab von Wien aus mit dem Walzer "Paris" den Blick auf die Seine-Metropole frei, Josef Strauß beschrieb das Reisefieber mit der Polka "Auf Ferienreise", und Eduard sorgte mit der Polka "Ohne Bremse" für eine schnelle, manchmal fast waghalsige Fahrt. Aber auch die Grand Nation sollte zu ihrem Recht kommen. Georges Bizet markierte mit dem Carillon und dem Adagietto aus der ersten, sowie natürlich mit der Farandole aus der zweiten Suite zu "L'Arlesienne" einen Halt im Fahrplan, Camille Saint-Saëns steuerte seinen "Marche héroique" bei. Besinnlich wurde es bei der Meditation aus Jules Massenets Oper "Thaïs", bei der Konzertmeister Petar Entchev ein meisterliches Solo gestaltete.

Durch den Abend führte der Schauspieler Ralf Bauer. Er versuchte humorvoll die Brücken zwischen den Kompositionen zu bauen, wobei aber deutlich wurde, dass er nicht wirklich über musikalische Kompetenz verfügt. Zu sehr klebte er an seinem Konzept. Respekt vor seiner Sportlichkeit aber musste man haben, als der bekennende Yoga-Anhänger im Kopfstand Massenets Meditation ankündigte.

Ein begeistertes Publikum jubelte zum Abschluss des Abends, der nur noch ein Ziel kennen konnte: den Radetzky-Marsch.

KORREKTUR

Das Neujahrskonzert des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier in der Stadthalle Merzig findet nicht wie angekündigt am 14. Januar statt, sondern bereits am 4. Januar (17 Uhr). Am 8. Januar um 20 Uhr präsentiert das Philharmonische Orchester unter der Leitung von GMD Victor Puhl das Konzert noch einmal in Trier. (red)