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Unterwegs mit Oquestrada

Unterwegs mit Oquestrada

Wer am Sonntag im ehemaligen Casino in Saarburg schmachtenden portugiesischen Fado erwartet hat, wurde eines Besseren belehrt. Die portugiesische Band Oquestrada hat die Zuschauer mit ihren mitreißenden Rhythmen glatt vom Hocker gerissen.

Saarburg. Gleich als Erstes fällt auf: Marta Miranda, weiblicher Kopf der portugiesischen Band Oquestrada, trägt nicht ihr Markenzeichen, das weiße Kleid mit den braun-orangen Blumen. Heute trägt sie ein knallgrünes Kleid mit gelber Weste und besingt ihr Portugal, ihr Lissabon, wo sie und ihre Bandmitglieder leben.
Im Gepäck haben die Portugiesen ihre CD "Tascabeat" - ein buntes, musikalisch mitreißendes Potpourri aus Liedern auf Portugiesisch, Französisch und Englisch. In den Songs geht es um das Leben in Portugal, um das Migrantendasein. Manchmal ist ein Lied auch einfach eine Liebeserklärung an die Hauptstadt Lissabon mit ihren sieben Hügeln, ihren urigen Stadtvierteln und der Jesusstatue, die an jene in Brasilien erinnert.
Die Musik ist handgemacht. Ein taktgebendes Schlagzeug gibt es nicht. Musik machen die fünf Musiker mit der klassischen und der portugiesischen Gitarre, Trompete, Akkordeon und einem Gebilde, das näherer Erklärung bedarf. Eigentlich ist es ein großer Plastikbottich, aus dem ein wuchtiger Besenstiel ragt. An dem ist eine dicke Schnur befestigt. "Das ist der Kontrabass der armen Leute", sagt Miranda, "damit haben bereits die Sklaven musiziert."
Neben den bekannten Songs "Se esta rua fosse" oder "Oxalá te veja" haben die Musiker neue Songs im Gepäck wie "Transit" oder "Duelo".
Die Musik ist wie Unterwegssein, enthält Elemente aus verschiedenen Kulturen. Mal klingt sie wie ein französisches Chanson, wird getragen vom Akkordeon. Dann wieder bricht spanischer Flamenco durch. Niemals fehlen die portugiesischen Rhythmen wie in "Fado Skazito".
Das Publikum braucht eine Weile, um sich auf die Musik einzulassen. Viele Zuschauer sitzen. Anscheinend haben viele eher portugiesischen Fado erwartet, der oft getragen und ruhig daherkommt. Dass Marta Miranda tanzend über die Bühne wirbelt und die Musiker gerne mal musikalische Kämpfe austragen, hat wohl niemand erwartet.
Oquestrada spielt mit dem Publikum, unterhält es glänzend. Nur zwei der Musiker sind tatsächlich ausgebildet. Alle anderen sind Autodidakten, beherrschen ihre Instrumente jedoch großartig.
Und das Kleid? "Das zerfällt langsam in seine Einzelteile", sagt Miranda bedauernd. Für das neue Album muss auch ein neues Kleid her. Bis September tourt die Band durch Europa und Russland. Dann soll es ins Studio gehen, um eine neue CD aufzunehmen.
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