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Musik: „Urban pianos“ beflügeln Städtenetzwerk

Musik : „Urban pianos“ beflügeln Städtenetzwerk

Klaviere unter freiem Himmel luden zum Spielen und Lauschen ein: Die bunte Aktion „My urban piano“ in der Trierer Innenstadt ist nach 17 Tagen zu Ende gegangen. Die Kulturkarawane als Veranstalter zieht nach der Premiere eine positive Bilanz – und hat noch viel Größeres im Blick.

Kultur muss auch raus aus dem Konzertsaal, weg von den Eliten, hinein in die Öffentlichkeit, wo sie Menschen erreicht, die weder Theater noch Museen noch Konzerthäuser besuchen. Das ist eine Idee der gemeinnützigen Kulturkarawane, die in Trier gerade zusammen mit dem Pianohaus Hübner das Projekt „My urban piano“ realisiert hat. Gemäß dem Prinzip der Initiative „Kultur ist ein Menschenrecht“ standen über die Trierer Innenstadt verteilt zwölf bunt gestaltete Klaviere für Interessierte zum Spielen unter freiem Himmel bereit. „Die Bilanz fällt absolut positiv aus“, freut sich Jochen Leuf, Geschäftsführer der Kulturkarawane, nach dem Ende der 17-tägigen Premiere in der Region, die auch von der Sonne verwöhnt wurde. Trotz der corona-bedingten Anmeldepflicht hätten rund 110 „Impros“ stattfinden können, freie Vorspiele also. Dabei griff das festlich gestimmte Kommunionkind genauso in die Tasten wie der 81-jährige Pianist, so bunt gemischt war das Publikum. Die Musiker der Jazzkombo Cardamon brachten sich kurzerhand zur Verstärkung noch ihren Kontrabassisten und Schlagzeuger mit. „Ein Spieler hat sogar alle Klaviere ausprobiert“, erzählt der Veranstalter. Hinzu kamen drei geplante Konzerte unter den Platanen des Domfreihofs, die ausverkauft waren, sowie der als Pre-Opener gedachte Auftritt von Starpianist Kit Armstrong im Brunnenhof, für den es innerhalb von wenigen Stunden keine Tickets mehr gab.

Bewährt habe sich bei den Konzerten das solidarische Eintrittskonzept, bei dem die Besucher selbst entscheiden, ob sie 2, 9 oder 15 Euro fürs Ticket zahlen: „Im Durchschnitt wurden mehr als 11 Euro bezahlt“, so Leuf, der das Ergebnis als Bestätigung für die Strategie des Veranstalters sieht, um die Schwelle zur Teilnahme so niedrig wie möglich zu halten. Überhaupt Tickets zu verkaufen, sei ein Tribut an Corona, hatte Leuf schon vor Beginn der Aktion erklärt.

Nach der „rundum gelungenen Premiere“ steht für die Macher schon fest, dass „My urban piano“ keine Eintagsfliege gewesen sein soll. „Wir sprühen schon vor Ideen“, sagt Leuf. Eine der Ideen heißt „Piano-Wanderungen“. Vergleichbar mit sogenannten Wohnzimmer-Konzerten wissen die Teilnehmer der „secret gigs“ nicht genau, wohin sie gehen. An den verschiedenen Stationen der Wanderung lassen sie sich von Darbietungen überraschen, die im Weinberg neben der titelgebenden Piano-Musik sicherlich auch eine kulinarische Komponente haben dürften. „Wir wollen noch mehr soziokulturell arbeiten“, so die Ansage der Kulturkarawane, die damit allerdings weiterhin ausschließlich auf Projektförderung angewiesen bleibt und immer nach Geldgebern suchen muss. Viel Arbeit bleibt dann noch ehrenamtlich zu tun. Bei „My urban piano“ waren 35 bis 40 Helfer im Einsatz, unter anderem, um die einzelnen Instrumente zu betreuen und für die Spieler einsatzbereit zu machen.

Das Klavier am Petrusbrunnen auf dem Trierer Hauptmarkt erweist sich als Hotspot des Projekts „My urban piano“. Foto: Kulturkarawane/Victor Beusch

Der nächste Schritt geht über die Grenze. 2021 könnte „My urban piano“ als Kooperation mit Luxemburg laufen, wo es ein Piano-Projekt schon länger gibt. Klaviere aus Luxemburg könnten dann in Trier zum Einsatz kommen und umgekehrt. Und zuvor hätten Schulen, Vereine oder Initiativen die Gelegenheit, die Instrumente zu gestalten. Noch weiter gesponnen könnten sich auch die anderen Quattropole-Städte Metz und Saarbrücken beteiligen. So würden die urban pianos die europäische Zusammenarbeit beflügeln.