Ursula Bauer eröffnete vor 25 Jahren eröffnete ihr Studio in Trier

Kulturmacher : „Ich brenne für die Musik“

Früher stand Ursula Bauer als Sängerin auf der Bühne, heute unterrichtet sie andere, die es lernen möchten. Vor 25 Jahren eröffnete sie ihr Studio für Stimme und Gesang in Trier.

Musik wurde Ursula Bauer in die Wiege gelegt. Ihr Vater, der Trierer Kirchenmusiker Albert Bauer, nahm sie als Zehnjährige mit zu den Proben des Kirchenchors der Pfarrgemeinde Herz-Jesu, den er leitete. Auch am Klavier und der Orgel unterrichtete er sie.

Dem Klavierspiel und vor allem dem Singen ist die 58-Jährige treu geblieben und hat die Musik zu ihrem Beruf gemacht: Früher trat die Mezzosopranistin als Solistin bei Orchestermessen, Oratorien, Opern- und Liederabenden auf. Seit 25 Jahren hat Bauer ein Studio in Trier und unterrichtet andere in Stimmbildung und Gesang. Dieses Jubiläum ihrer Gesangsklasse feiert die gebürtige Triererin mit einem Konzert am 22. September. Dafür hat sie sich nicht lumpen lassen und nichts Geringeres als die Promotionsaula des Priesterseminars angemietet. „Mein Anspruch ist, dass das Konzert professionell wird und das Ambiente sowie die Akustik stimmen“, sagt die Gesangspädagogin.

„Mitten ins Herz – Von den Launen der Liebe“ lautet der Titel des Konzerts. „Das Thema Liebe wollte ich schon immer mal für ein Konzert haben“, sagt sie. Darin sollen die unterschiedlichen Facetten der Kraft beleuchtet werden, die alles bewegt. Von Kunstliedern über Chansons, Oper und Musical-Lieder hat sie ein vielfältiges Programm zusammengestellt, an dem 30 ihrer Schüler als Solisten und in Ensembles mitwirken. Zum Programm gehören bekannte Werke wie die „Habanera“ aus Georges Bizets Oper „Carmen“ und „Let’s do it, let’s fall in love“ von Cole Porter. „Meine heimlichen Favoriten sind allerdings die unbekannteren Stücke mit schwarzen Humor“, verrät Bauer. So durften die Lieder „Bitte erschieß‘ Deine Gattin!“ von Georg Kreisler und „Ich habe zu viel Angst vor meiner Frau“ von Otto Reutter nicht fehlen. Zwei Jahre lang hat sie das Konzert geplant, seit März laufen die Proben. „Schüler, die erst mit dem Unterricht begonnen haben und solistisch noch nicht so weit entwickelt sind, singen in Ensembles von drei bis vier Personen“, erklärt Bauer. Im September stehen dann noch Proben mit der Pianistin Anna-Sophie Scze­panek an. Rund 50 Schüler kommen regelmäßig zu ihr in die Kalenfelsstraße, um ihre Stimme und ihren Gesang zu verbessern. Seit 2014 hat Ursula Bauer ihr kleines Gesangsstudio im Erdgeschoss des freistehenden Häuschens direkt an der ehemaligen Kirche St. Paulus in Trier. „Es üben aber auch nicht alle zusammen in einem Raum“, sagt sie. „Jeder Schüler bekommt bei mir Einzelunterricht. Die Problematik der einzelnen Sänger ist so unterschiedlich, dass ich mich individuell nach den Bedürfnissen richten muss.“

„Bei mir melden sich sowohl Berufssänger, die sich verbessern wollen, als auch junge Leute, die sich auf ein Gesangsstudium und die Prüfung vorbereiten. Manche kommen einfach aus Spaß.“ Sie helfe aber auch Menschen, die ein Problem mit den Stimmbändern haben, beruflich viel sprechen und schnell heiser würden. Für die Gesangspädagogik habe sie sich schon im Studium interessiert und einem Kommilitonen nebenher Unterricht gegeben, sagt Bauer. Dass sie heute ihren Lebensunterhalt damit verdient, hat sie ihrer früheren Lehrerin, der Schweizer Opernsängerin Maria Stader, zu verdanken, die Bauer in der Meisterklasse in Zürich unterrichtete. „Sie hat mein Talent zum Unterrichten erkannt und gesagt, dass ich ein Ohr für die Pädagogik habe“, erzählt Bauer. „Das war der Anstoß für mich, mich zur Gesangspädagogin ausbilden zu lassen.“

Gesangsklassen-Konzert von Ursula Bauer mit dem Opernsänger Franz Grundheber 2016 im Kurfürstlichen Palais. Foto: TV/Stefanie Braun

Beim Gesangsunterricht hört ihre Arbeit noch nicht auf. „Von der Programmzusammenstellung über die Plakatgestaltung, den Saal mieten bis hin zur Finanzierung mache ich alles selbst.“ Und da geht Bauer in Vorkasse, gesponsert, so die Sängerin, werde sie nicht. Doch all die Mühe lohne sich jedes Mal: „Ich freue mich immer wahnsinnig, wenn ich das auf der Bühne sehe, was ich mir so lange vorher ausgedacht und geplant habe.“ Ihre liebste Erinnerung aus einem Vierteljahrhundert Gesangsklasse sei das Konzert mit dem Opernsänger Franz Grundheber, das die Dieter-Lintz-Stiftung veranstaltet hatte. 2016 hatten ausgewählte Schüler ihrer Gesangsklasse die einmalige Gelegenheit, mit dem in Trier geborenen Sänger im Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais auf der Bühne zu stehen und zu singen. „Als man mich deswegen gefragt hat, bin ich beinahe vom Stuhl gefallen“, erinnert sich die Gesangspädagogin und lacht. Was ihr an ihrem Job am meisten gefällt? „Ich brenne für die Musik, und für mich ist es das Größte, wenn ich andere mit meiner Freude am Singen anstecken kann.“