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Ute Bales Roman Gesteinsabbau „Vom letzten Tag ein Stück“ Wöllersberg

Literatur : „Ein Herzensanliegen“

Was Ute Bales zu ihrem neuen Roman bewogen hat und was das zentrale Thema ist.

„Vom letzten Tag ein Stück“ sei ein autobiografischer Roman und das persönlichste Buch, das sie bisher geschrieben habe, sagt Ute Bales im Telefonat mit unserer Zeitung. Es gebe zwar erdachte Passagen, räumt sie ein. „Aber das Dorf und seine Bewohner und der Berg sind echt – und meine Gefühle.“

   Schon lange habe sie den Stoff für das Buch in sich getragen, erklärt die Schriftstellerin, die ihre Heimat als 19-Jährige verlassen hatte und längst in Freiburg im Breisgau heimisch geworden ist. Die Landschaft der Eifel habe sie nie losgelassen. Und die Region sei für sie immer schon gut gewesen als Lieferantin von Geschichten über Menschen. Nun stehe als lang gehegtes Herzensanliegen die Landschaft im Mittelpunkt.

    „Der Gesteinsabbau ist eine Riesenkatastrophe, ein Unheil“, sagt Ute Bales. „Ich kann es nicht fassen, dass ein Berg, an dem Tausende von Generationen gelebt haben, nun im Zeitraum einer einzigen Generation geköpft wurde, und zwar aus reiner Profit- und Machtgier.“ Ja, die Fassade des Wöllersbergs stehe noch. „Aber die Fassade ist Fake. Dahinter ist nichts. Und die vertraglich vereinbarte Auffüllung soll mit Müll und minderwertigem Material vollzogen werden“, weiß sie.

     Zwar habe es Gesteinsabbau in der seit Jahrtausenden von Vulkanbergen und Maaren geprägten Vulkaneifel schon immer gegeben. Der frühere Abbau, zum Beispiel mit Pferdefuhrwerken, sei allerdings mit dem Ausmaß des heutigen Abbaus durch Sprengungen und tonnenschwere Bagger nicht zu vergleichen. Dabei sei die Belastung für die Landschaft extrem, wenn jährlich Millionen Tonnen Lava, Basalt und Bims in immer größeren Mengen und in immer schnellerem Tempo unter anderem als Baustoffe für den Straßenbau abgebaggert und zu billigen Preisen in die ganze Welt verschifft werden. Der Abbau gefährde nicht nur die berühmten Mineralwasserquellen, sondern auch das Trinkwasser. „Tiere, Insekten und Vögel verlieren ihre Lebensgrundlage, Menschen ihre Heimat, ihre Identität, ihre Geschichte“, erklärt Ute Bales. Glaubt aber, dass viele Menschen ohnehin den Bezug zu der Landschaft, in der sie leben, verloren haben.Die Romanfigur Bertram stelle die zentrale Frage: Wem gehört der Berg? „Nicht einem, nicht allen, sondern niemandem“, lässt Ute Bales ihn antworten.

   Ob das Buch aus Protest gegen den Gesteinsabbau geschrieben wurde? „Damit komme ich zu spät“, sagt Ute Bales. Aber sie versuche zu erinnern. „Es gibt fest verankerte Menschenrechte, die allerdings nicht überall eingehalten werden. Aber auch Systeme brauchen Schutz“, betont sie – „Systeme wie Berge, Bäume und Flüsse.“ Wenn die Menschheit solche Systeme zerstöre und ihre Zerstörung zulasse, gehe ihre Lebensgrundlage verloren.

   Auf diesen Verlust deutet der Titel des Romans. „Wir befinden uns in einer dramatischen Situation, was die Umwelt angeht, und ich befürchte, wir erleben gerade vom letzten Tag ein Stück“, so beschreibt Bales ihre Sorge. In diesen Zusammenhang stellt sie auch das Titelbild. Es zeigt in einem Ausschnitt eine in die Ferne schauende Frau. Das Bild heißt „Auflösung“ und stammt von der Künstlerin Melanie Ziemons-Mörsch aus dem Vulkaneifeldorf Niederstadtfeld.

Ute Bales, Vom letzten Tag ein Stück, Rhein-Mosel-Verlag 2021, 246 Seiten, 19,80 Euro.