Uwe Bolls Autobiographie: Technisch einwandfrei, aber blutleer

Literatur : Uwe Bolls Autobiographie: Technisch einwandfrei, aber blutleer

Uwe Boll erzählt sein Leben. Oder besser: Uwe Boll zählt auf, was er erlebt hat. Nebenbei zieht er über Kritiker her und erklärt, wie er die Welt retten würde. Ein absurdes Buch.

Uwe Boll ist wütend. Und er wird nicht müde, das zu betonen. „Ihr könnt mich mal“ schreit seine Autobiographie schon im Titel all jenen entgegen, die ja, wem eigentlich? Die Film-Industrie, die Journalisten, die Politik, die Journalisten, frühere Chefs, die Journalisten – alle haben den deutschen Regisseur ungerecht behandelt, könnte man meinen, wenn man das Buch liest.

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Boll bezeichnet sich als „meistgehassten Regisseur Amerikas“ und gibt zu, dass es ihn „ankotzt, nie von der Filmkritik, der Hollywood-A-Liga oder der deutschen Filmförderung anerkannt worden zu sein“. Wenn er zum dritten Mal betont, wie viel intelligenter als alle Hollywood-Eliten er ist, klingt das aber nicht mehr nach gerechtem Zorn, sondern nach kindischem Trotz, nach Frust und Verbitterung. Man fragt sich: Ist hier jemand davon überzeugt, ein verkanntes Genie zu sein, oder möchte er sich selbst und die Welt mit aller Gewalt davon überzeugen?

Von der Autobiographie eines so faszinierenden Menschen, der für die Provokation lebt, darf man mehr erwarten als 200 Seiten Selbstmitleid und Selbstbeweihräucherung. Boll hat eine spektakuläre Karriere hinter sich und könnte davon auf seine ganz eigene, polemische Art erzählen. Aber er schreibt, wie er Filme dreht: Boll ist ein Workaholic, der eine Geschichte nach der anderen abarbeitet, aber kein Gespür dafür hat, wie man sie spannend oder anrührend erzählt.

Am Ende des Kapitels über seine Promotion in Literaturwissenschaft bemerkt er mal eben ganz nebenbei, dass sein Vater „zum ersten Mal richtig sichtbar“ stolz auf ihn war. Das war’s, keine Szene, keine Details, keine Emotionen. Es wird alles erwähnt, was erwähnt werden muss, aber nicht mehr. Das Buch liest sich wie ein Schulaufsatz.

Dazwischen fallen immer wieder allgemeine Betrachtungen zu Weltpolitik oder Religion aus dem Rahmen – in bester Stammtisch-Manier knapp und ohne Kontext oder weitere Problematisierung. Im Kapitel „Was ich tun würde als Herrscher der Welt“ heißt es etwa: „Umstellung auf Wind-, Wasser- und Sonnenergie innerhalb von zehn Jahren.“ Oder: „Es gibt keinen Gott und Religion ist Quatsch.“

Fakt ist: Uwe Boll macht gar keinen Trash. Denn Trash hat Herzblut und Charme. Bolls bessere Filme hingegen, wie etwa „1968 Tunnel Rats“ (2008) oder „Darfur“ (2009) sind „technisch einwandfrei“, wie er selbst im TV-Interview sagt – aber eben nicht mehr als das. Kompetent produziert, aber blutleer. Wie dieses Buch.

Uwe Boll: „Ihr könnt mich mal!“, Kick Verlag, 200 Seiten, 18 Euro.