Verflucht aktuell: "Kleiner Mann - was nun?" in der Tufa Trier

Verflucht aktuell: "Kleiner Mann - was nun?" in der Tufa Trier

Das Frosch-Kultur-Ensemble inszeniert Hans Falladas "Kleinen Mann" als Revue mit zeitgemäßer Videotechnik. Die Premiere ist am Donnerstag, 9. November in der Tufa Trier.

Wie sich die Zeiten gleichen. Die große Koalition zerbricht, die Regierungsbildung ist schwierig. "Die Verunsicherung der Menschen verstärkt den Extremismus auf beiden Seiten", sagt Karsten Müller. "Du denkst, das könnte heute sein."

Doch die beschriebene Situation ist Anfang der 1930er Jahre gewesen. Die Weimarer Republik liegt in den letzten Zügen. Die Weltwirtschaftskrise hat Millionen Menschen arbeitslos und somit arm gemacht. Leichte Beute für eine Partei, die Deutschland wieder groß machen will und die politisch noch unverbraucht und deshalb für viele glaubwürdig ist. Eine Partei, die gegen Minderheiten hetzt und sich mit einfachen Lösungen um den "kleinen Mann" kümmern will.

So ein "kleiner Mann" ist der Buchhalter Johannes Pinneberg. Als seine Freundin Emma "Lämmchen" Mörschel schwanger wird, heiraten die beiden. Und als das bekannt wird, wird Pinneberg entlassen - die Frau seines Chefs wollte ihn mit ihrer Tochter verkuppeln.

Pinneberg sehe sich als Getriebener, als Spielball der Mächtigen, der Politik, sagt Müller. "Nie zählt seine eigene Leistung." Selbst den neuen Job besorgt jemand anderes für ihn: seine Mutter - über ihren Geliebten. Doch was wird mit Pinneberg, wenn deren Beziehung auseinanderbricht?

Pinneberg und Lämmchen sind die Protagonisten in Falladas 1932 im Rowohlt-Verlag erschienenen Roman "Kleiner Mann - was nun?". Das Thema "ist heute verflucht aktuell", sagt Müller, der das Werk als Revue für die Vereine Frosch Kultur und Tufa Tanz inszeniert.

Auch heute fühlten sich viele Menschen wirtschaftlich und gesellschaftlich abgehängt. Die Armut - real oder gefühlt - treibe viele in die Fänge von extremistischen Parteien - rechts und links. Anfang der 1930er war die Weimarer Republik instabil. Auch das eine Parallele, wenn man das Ergebnis der Bundestagswahl und die laufenden Koalitionsverhandlungen betrachtet.

Den Romanstoff haben Tankred Dorst und Peter Zadek zu einer Revue verarbeitet. Uraufführung war 1972 im Schauspielhaus Bochum. "Wir haben die ursprünglichen viereinhalb auf zwei Stunden eingedampft", sagt Müller. So hat er die 24 Nebenrollen auf zehn reduziert. Und sich für diese etwas Besonderes einfallen lassen.

Auf der Trierer Tufa-Bühne agieren ab der Premiere am Donnerstag, 9. November, nur vier Schauspieler: Katja Büdinger, Sebastian Gasper, Monika Wender und Kammerschauspieler Manfred-Paul Hänig. Und die spielen in alternierenden Rollen. Weitere Darsteller bringt Müller per Video und Audio ins Spiel - alles Trierer Prominente aus den Bereichen Kultur, Kunst, Cartoons, Musik und Politik.

Jutta Albrecht, Tabea Biewen, Claudia Dylla, Martin Folz, Sandra Karl, Laas Koehler, Johannes Kolz, Markus Nöhl, Peter Stablo, Sven Teuber und Michael Thielen verkörpern die Originale aus Falladas Werk. Musikalisch begleitet Klauspeter Bungert die Akteure am Klavier.

Gefördert wird die Produktion vom Bundesprogramm "Demokratie leben". Das ermöglicht Trierer Schulen einen kostenlosen Besuch des Stücks (Anmeldung: E-Mail info@theater-frosch.de ).

Premiere: Donnerstag, 9. November. Weitere Termine: 14., 29. November, 1., 2., 9. Dezember, 19., 20., 25. Januar, 3. Februar, jeweils 20 Uhr in der Tufa Trier.

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