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Vergebliche Suche nach der Weiblichkeit

Vergebliche Suche nach der Weiblichkeit

Mit originellen Kostümen und sparsamer Kulisse hat die junge Regisseurin Eva-Maria Baumeister das Theaterstück "Orangenhaut" auf die Bühne im Theater-Studio gebracht. Schnelle Szenenwechsel, pointierte Dialoge und witzige Details bereicherten Maja Pelévics Stück, das stets an der Oberfläche kratzt.

Trier. "Ich wollte doch nur ein normales Leben führen!" Am Schluss des Stücks "Orangenhaut" von Maja Pelévic, das im ausverkauften Studio des Theaters Trier Premiere gefeiert hat, ist Sie (Antje-Kristina Härle) - wie alle Figuren im Stück namenlos - ihrem Ziel nicht näher gerückt. Auf der Suche nach dem "normalen" Leben als Frau schließt Sie sich den Schönheitstrends an, tut alles, um die verhasste "Orangenhaut" - dieses Wort singt Sie stets zärtlich - loszuwerden. Sie lässt sich in Kliniken Fett absaugen, in Schönheitssalons epilieren und maniküren, quält sich in Fitnessstudios, liest Lifestylemagazine und Ernährungstipps. Dabei kommen Die Reife (Angelika Schmid), Die Problematische (Sabine Brandauer) und Tim Olrik Stöneberg als Er ins Spiel. Die drei beraten, zwingen ihr geradezu die Behandlungen auf, trichtern ihr Tipps ein; ihr eindringlicher Singsang gerät zur Parodie.

Die Geschichte spielt im Hier und Jetzt. Für die Kostüme (Carola Vollath) hat die junge Regisseurin Eva-Maria Baumeister (32) das Barockzeitalter gewählt. Eine Zeit, die für ähnlich künstliche Schönheit steht wie die heutige. War es damals en vogue, Röcke auszustopfen, Wespentaillen zu schnüren, Perücken zu tragen und Schönheitsflecken zu malen, so sind heute Brustvergrößerungen und haarlose Beine ein Muss, wenn Frau schön und begehrenswert sein will. Das Bühnenbild (Thimo Plath) beherrschen mannsgroße mobile Spiegel, die je nach Lichteinfall und Perspektive ein Fenster ins Innere der Protagonistin öffnen.

Auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft bleibt Sie gefangen in ihrem Zwang, ganz normal zu sein, verdeutlicht durch die Bänder, an denen Die Reife und Die Problematische sie ziehen wie eine Marionette. Frisch gestylt geht es ab in den Club. Dort sucht Sie erst den Mann für vergnügliche Stunden, dann den für immer - wechselt ihre Lebensentwürfe wie Hemden. Und auch da hämmern die beiden Begleiterinnen ihr Tipps ein, wie frau einen Mann fest an sich bindet. Zwischenzeitlich will Sie einen neuen Trend setzen, ein neues Symbol der Weiblichkeit: die "Orangenhaut". "Tut alles wie bisher, nur umgekehrt!", ruft sie ihren Geschlechtsgenossinnen zu.

Schrill kreischt Härle ihre inneren Monologe, hetzt sich ab, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Schnell sind die Dialoge, wechseln die Szenen. Und doch kratzt das Stück stets an der Oberfläche, dringt nicht tiefer. Baumeisters Versuch, das Klischeehafte zu entzerren, kann nur bedingt gelingen. Zu deutlich liegt der Fokus des Stücks auf dem rein Äußerlichen. Doch Baumeister und den Schauspielern gelingt es, aus dem Stück das Maximum an Aussage herauszuholen, was das Publikum mit anhaltendem Applaus belohnt.

Weitere Termine: 29. Januar, 1., 11., 15., 20. und 26. Februar im Studio des Theaters Trier, jeweils um 20 Uhr. Karten sind an der Theaterkasse, Telefon 0651/7181818, erhältlich.