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Vergnüglicher Familienausflug: "In 80 Tagen um die Welt" verzückt kleine und große Gäste im Theater Trier

Vergnüglicher Familienausflug: "In 80 Tagen um die Welt" verzückt kleine und große Gäste im Theater Trier

Einmal um die ganze Erde - das ist möglich im Theater Trier. Dabei entpuppt sich das Stück "In 80 Tagen um die Welt" mit herrlichen Kostümen, einem fantasievollen Bühnenbild und glänzend aufspielenden Akteuren als ein unterhaltsamer Familienausflug.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Und die war vor 140 Jahren, als der französische Schriftsteller Jules Verne seinen Roman "In 80 Tagen um die Welt" geschrieben hat, viel langsamer als heute. Wir können die Tour - etwa mit dem Linienflugzeug - in weniger als 80 Stunden schaffen. Doch damals gab es keine Flieger - erste Flüge glückten nach 1900, nicht einmal Autos - 1886 gilt als deren Geburtsjahr. Aber immerhin Eisenbahn und Heißluftballons.

Und mit einem davon macht sich Phileas Fogg im Familienstück des Theaters Trier auf seine Reise um die Erde. Es ist ein riesiges Exemplar mit echtem Korb, das die Bühnenarbeiter von der Decke herunterlassen. Und unbedingt realistisch. Anders der Zug. Hier bewegen sich die Schauspieler auf ihren rollenden Sitzen selbst vorwärts - was ihnen laute Lacher einbringt.

Zurück zum Stück. Ein Gentleman (Deutsch: ein Ehrenmann) überfällt die Bank von England und raubt 55 000 Pfund - das wären heute umgerechnet gut fünf Millionen Euro. Zu sehen ist das als Schattenriss - denn der Räuber soll ja unerkannt bleiben. Zur gleichen Zeit wettet Phileas Fogg mit seinen Freunden um 25 000 Pfund, dass er in 80 Stunden um die Welt reisen kann. Das macht ihn für die übereifrige Miss Fix (Nadia Migdal) verdächtig. Sie wähnt ihn auf der Flucht, will den vermeintlichen Räuber fassen und reist ihm - als Mann verkleidet - nach. Die Anfangsszene gerät etwas langatmig. Hier hätte die Regie (Annette Raffalt) den Rotstift ansetzen und das Stück etwas kürzen können, das mit zwei Stunden die Geduld der jungen Zuschauer auf die Probe stellt.

Verbindendes Glied - und hilfreich für das Verständnis der Kinder - sind die Papergirls Gina Haller, Gitte Reppin und Claudio Gatzke, die erzählend und - gemeinsam mit dem stimmgewaltigen Opernchor - singend die Story begleiten und zahlreiche Nebenrollen übernehmen. Dabei spielt insbesondere Haller ihre Wandelbarkeit voll aus und besticht mit ihrem energiegeladenen Spiel.Zeitung statt Programmheft

 Rollenwechsel: Claudio Gatzke, Gina Haller und Gitte Reppin (von links) überzeugen als Papergirls genauso wie hier als indische Tänzer.
Rollenwechsel: Claudio Gatzke, Gina Haller und Gitte Reppin (von links) überzeugen als Papergirls genauso wie hier als indische Tänzer. Foto: (g_kultur


Papergirls (eigentlich Zeitungsjungen) haben damals die Nachrichtenblätter in den Straßen lautstark angepriesen und verkauft. Denn 1872 waren Internet, Fernsehen und Radio noch nicht erfunden, die Zeitung das aktuellste Medium. Deshalb gibt es auch statt Programmheften die "Trierer Times" mit ganz vielen Infos zum Stück. Eine stimmige Idee mit einem kleinen Manko: Für die jüngeren Kinder sind die Texte doch recht kompliziert.

Auf der Bühne wird's spannend: Fogg steigt mit seinem Diener Passepartout in den Ballon und schwebt hinweg. Sie durchreisen Europa, Afrika, Indien, China, die USA in allen damals bekannten Verkehrsmitteln, retten eine indische Prinzessin. Miss Fix (beziehungsweise Mister) Fogg immer auf ihren Fersen. Migdal spielt sie quirlig, überdreht und mit einem kleinen Sprachfehler, der sie noch sympathischer macht.

Julian Boine gibt sich als die personifizierte Perfektion in Sachen Pünktlichkeit, immer distanziert, immer cool - nur ja kein Gefühl zeigen. Bis plötzlich die Liebe in Form der herrlich reizvollen Prinzessin (Juliane Lang) in sein Leben tritt. Da taut er ein bisschen auf. Foggs Diener Passepartout ist sein krasses Gegenteil. André Meyer spielt den pfiffigen Gehilfen voller Emotionen, die sich aufs Publikum übertragen. Pure Lebensfreude entspringt jeder seiner Bewegungen - er geht nicht, er hüpft. Drollig: sein französischer Akzent.

Kostüm- und Bühnenbildner (Ele Bleffert/Stefanie Muther) zaubern dazu herrliche Bilder, absolut kindgerecht. An der kunterbunten Kleidung der Akteure können auch die Kinder sofort das jeweilige Land erkennen: Die Französinnen tragen Röcke in Nationalfarben, die Afrikanerinnen bunte Kopftücher, die Inderinnen Saris, die Chinesen Kegelhüte, die Briten Schirme, der Italiener fährt in einer Gondel. Herrlich auch die Tiere: So ein Kamel und einen Elefant würde jedes Kind gerne zum Kuscheln mit nach Hause nehmen. Fantasievoll auch die Kulissen. Ob es der Urwald ist, die stürmische See oder New York: Auch die Kleinen können nachvollziehen, wo sich die Abenteurer gerade befinden. Muther traut sich, die Technik voll auszuspielen, nutzt die verschiedenen Hubpodien.

Das Theater empfiehlt das Stück für Menschen ab sieben Jahren - eine realistische Einschätzung. Und auch Eltern und Großeltern werden sich sicher nicht langweilen, falls sie sich auf das fantasievolle, stimmig durchkomponierte Bühnenerlebnis einlassen. Die Premierenbesucher jedenfalls hatten großen Spaß und applaudierten langanhaltend. Fazit: unbedingte Empfehlung für alle abenteuerlustigen Familien.

Weitere Termine: 19. November, 18 Uhr, 11., 17. Dezember, 16 Uhr, 29. Dezember, 18 Uhr, 5. Februar, 16 Uhr, sowie Schulvorstellungen, Anmeldung und Karten: Theaterkasse 0651/718-1818.