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Vergnügtes Kammermusik-Spiel trotz tropischer Hitze

Vergnügtes Kammermusik-Spiel trotz tropischer Hitze

Mit Schloss Thorn an der Mosel besuchte die Villa musica die Landesgrenze von Rheinland-Pfalz, wenige hundert Meter vom Saarland und von Luxemburg entfernt. Im Reisegepäck waren zwei Edelsteine der Kammermusik.

Schloss Thorn. Tropische Temperaturen sind nicht unbedingt dazu angetan, sich an Kammermusik der Wiener Klassik zu erfreuen. Sie erfordert Aufmerksamkeit und Konzentration sowohl von den Ausführenden als auch von den Zuhörern. Die Hitze sollte aber der Qualität der Musik keinen Abbruch tun, als der künstlerische Leiter der Villa musica, Cellist Alexander Hülshoff und seine Mitstreiter Marc Bouchkov (Violine) und Alba Gonzáles (Bratsche) im Kelterhaus des Weingutes Schloss Thorn den Werken widmeten. Mit der Serenade D-Dur, Opus 8, und dem Trio Nr. 2 aus dem Opus 9, das ebenfalls in D-Dur geschrieben ist, brachten die Streicher Musik mit, die bestens dafür angetan war, die Hitze vergessen zu lassen.
Rund 80 Zuhörer konnten erleben, wie facettenreich die kompositorische Fantasie des rheinländischen Wahlwieners Ludwig van Beethoven mit seiner Tonsprache umzugehen wusste. Der Lyriker kam ebenso zur Sprache wie der humorvolle Schelm, der Philosoph ebenso wie der tiefgründige Kontrapunktiker, der seine handwerkliche Meisterschaft exzellent mit seinem künstlerischen Genius zu verbinden wusste. Wenn dies in Schloss Thorn auch sichtbar und hörbar wurde, so war es der ausgereiften Interpretation der Musiker zu danken. Bei ihrem Spiel kam auch der alte Grundsatz, dass das Auge mithört, zu seinem Recht. Es war faszinierend zu beobachten, wie viel Vergnügen die Musiker am Spiel hatten, wie die kommentierenden Blicke bei einigen Passagen hin und her gingen. Ein Schmunzeln hier, ein erwartungsvoller Augenaufschlag dort. An den Mienen des Trios konnte man viel von dem ablesen, was sich auf der Bühne tat. Kombiniert war das Ganze mit einer technischen Fertigkeit, die staunen ließ. Die klimatischen Bedingungen schmälerten die Leichtigkeit, mit der das Ensemble den spieltechnischen Anforderungen gerecht wurde, kein bisschen. Wenn man von den störenden Handys der Zuhörer absieht, die sich gelegentlich bemerkbar machten, war es ein wundervoller Sommerabend. gkl