Verlag legt ersten Krimi von Jacques Berndorf neu auf: 1969 spielt die Eifel noch keine Rolle

Verlag legt ersten Krimi von Jacques Berndorf neu auf: 1969 spielt die Eifel noch keine Rolle

Der KBV-Verlag macht dem Eifelkrimi-Autor Jacques Berndorf alias Michael Preute ein ganz besonderes Geschenk. Zu seinem 80. Geburtstag gratuliert er mit der Neuauflage von drei Krimis aus früheren Schaffensjahren. Den Auftakt macht sein Debütroman "Magnetfeld des Bösen".

Hillesheim. Am Nürburgring, im Totenmaar, im Steinbruch, an einer Eiche im Wald - Jacques Berndorf hat seine Leichen flächendeckend in der ganzen Eifel verteilt - "nur die Südeifel habe ich bislang verschont", sagt der bald 80-jährige Autor, der in Wirklichkeit Michael Preute heißt.

Mit seinen Eifelbüchern hat er den Regionalkrimi salonfähig gemacht. Stieg auf zum meistgelesenen Krimiautor Deutschlands. Von dem Erfolg ist er noch heute überwältigt: "Damit konnte keiner rechnen, dass jemand über die Provinz schreibt und das dann überall gelesen wird."

Schreiben ist und war das Lebenselixier des Journalisten Michael Preute. Sein erster Roman entstand, weil der Kriegsreporter, damals unter anderem tätig für den Stern, eine Pause vom harten Alltagsgeschäft brauchte. "Ich wollte mal etwas völlig anderes machen", erinnert er sich.

Also beginnt er, einen Krimi zu schreiben über den Kölner Industriellen Friedrich Kraft. Die Geschichte druckt der Stern 1969 als Fortsetzungsroman. Und wie findet er heute seinen Erstling? "Weiß nicht. Der Kleine hat's damals mal versucht …", sagt Berndorf bescheiden bei einer Pressekonferenz im Krimicafé Sherlock in Hillesheim (Kreis Vulkaneifel).

Sein Verleger, Ralf Kramp, sieht das anders: "Das ist ein toller, psychologisch klug aufgebauter und spannender Krimi." Berndorf: "Das ist die Stelle, an der ich weghöre." Berndorf-Fans wird es gefallen - da ist sich Kramp sehr sicher. Erzählt werde die Geschichte einer Demütigung, fasst er zusammen. Zum Teil spiele die Handlung an der Côte d'Azur, "da dümpeln Leichen im Mittelmeer. Wenn man das Buch liest, ist das, als ob man einen Film aus den 70er Jahren guckt. Schwarz-Weiß war gerade vorbei, die Farben sind ziemlich überbelichtet, die Badeanzüge leuchten grell", gerät Kramp ins Schwärmen.

Berndorf, Meister der Recherche, konnte bei dem Buch, das im Unternehmermilieu spielt, auf seine Erfahrungen zurückgreifen. "Mein Vater arbeitete in der obersten Etage beim Klöckner-Konzern. Da waren dauernd solche Typen um mich herum, deswegen war mir vieles vertraut", sagt Berndorf.

In die Tasten gehauen hat er sein Buch mit zwei Fingern ("das ging total schnell") auf einer Schreibmaschine - immer zehn Seiten am Stück für die nächste Folge. Dass er mal ein erfolgreicher Krimiautor werden würde, habe er damals nicht gedacht. Dass die Menschen seine Krimis lieben, erklärt er sich so: "Vielleicht kommt das daher, weil in ihrem eigenen Leben so wenig los ist."

Ihm wird jedenfalls nicht langweilig. Und auch, wenn jetzt drei seiner alten Romane gedruckt werden, bleibt er nicht untätig. Zurzeit schreibt er am nächsten Eifel-Krimi, Arbeitstitel: "Tod im Altenheim". Aber es gehe sehr langsam voran, klagt er, "weil ich doch schon ziemlich alt bin".

Der Ur-Vater der Eifelkrimis feiert am 22. Oktober seinen 80. Geburtstag. Dem Trubel will er aber entfliehen - "nach Bad Bertrich oder so". Privat liest er übrigens gerne Klassiker - "zum Beispiel Goethe". Mit der Bücherflut komme er nicht klar. Er bemängelt, dass nichts Aufregendes mehr erscheine und er nicht das Gefühl habe, irgendein Buch unbedingt lesen zu müssen, um nichts zu verpassen.

Wer jedoch mitreden möchte, was den ersten Krimi des Journalisten Michael Preute angeht, kann sofort mit dem Lesen loslegen. Denn "Magnetfeld des Bösen" ist bereits erschienen.
Michael Preute, "Magnetfeld des Bösen", KBV-Verlag, 290 Seiten, 10,95 EuroExtra

Kurt Beck (SPD) schuldet Jacques Berndorf noch seinen Wetteinsatz. 2010 hatten der Autor und der damalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz gewettet. Beck vertrat die Meinung, dass der Nürburgring bis 2015 schwarze Zahlen schreibt. Berndorf hielt dagegen. Der Wetteinsatz: 60 Flaschen Rotwein von der Ahr. Obwohl Berndorf recht behielt, hat er die Flaschen noch nicht bekommen. "Meine Frau würde sich freuen", sagt Berndorf, bekennender (und trockener) Alkoholiker, und lacht. sn