Verloren in der Weite

Verloren in der Weite

Trier . (gkl) Acht Mal lädt die evangelische Kirchengemeinde Trier in diesem Sommer wieder jeweils mittwochs um 20.30 Uhr zu den sommerlichen Orgelkonzerten ein. Den Auftakt gestaltete traditionsgemäß Kantor Martin Bambauer als kirchenmusikalischer Hausherr.

Auch in der evangelischen Kirche wird gespart. Statt eines kleinen aber feinen Programmheftes mit einer Gesamtübersicht der Serie erhielt das erstaunte und teilweise enttäuschte Publikum nur noch einen Zettel mit dem Programm des Abends. Eine Entscheidung der Verantwortlichen, die sicherlich noch einmal überdacht werden sollte. Was dagegen Kantor Martin Bambauer als Solist des Abends musikalisch zu bieten hatte, war nicht auf der berühmten Sparflamme zubereitet. Er griff in die Vollen. An den Anfang hatte er Präludium und Fuge in Es-Dur von Johann Sebastian Bach gesetzt, jenem großen und mächtigen Werk, mit dem der Thomaskantor den dritten Teil seiner Klavierübungen eingerahmt hat. Technisch untadelig und mit viel musikalischem Verständnis ließ Bambauer dieses vielleicht bedeutendste freie Werk Bachs erklingen, was aber ein prinzipielles Manko nicht überbrückte. Die Schukeorgel der Basilika ist zweifelsfrei ein ausgezeichnetes Instrument, kann aber den Raum, in dem sie steht, nicht in dem Maße füllen, wie es für solche Kompositionen notwendig wäre. Die geballte Kraft des BWV 552 verlor sich in der Weite. Während die "Fantasia chromatika" von Jan Pieterszoon Sweelinck, Dietrich Buxtehudes Toccata F-Dur, BuxWV 157 oder auch Olivier Messiaens "Alléluia" aus L'Ascension spielerisch sauber und klanglich angemessen erschienen, litt das Finale, Joseph Jongens "Sonata Eroica" in noch stärkerem Maße unter den Gegebenheiten. Hier mag der Einwand greifen, die Sonate sei für diese Orgel nicht geeignet. Was hier vielleicht richtig ist, kann und darf aber in einer Kirche für Bachs Komposition nicht gelten.

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