| 21:07 Uhr

Verrisse reihenweise

Lasziv, aber lasch: Szene aus "Quo vadis" mit Sven Sorring als Nero und Indira als Sklavin Eunyke. Foto: Friedemann Vetter
Lasziv, aber lasch: Szene aus "Quo vadis" mit Sven Sorring als Nero und Indira als Sklavin Eunyke. Foto: Friedemann Vetter
TRIER. (DiL) Wenig Freundliches vermeldete die überregionale Presse zur Uraufführung des Trierer Festspiel-Musicals "Quo vadis". Größere Zeitungen waren, anders als in früheren Jahren, ohnehin kaum vertreten, viele beschränkten sich auf die Übernahme einer kurzen Agenturmeldung. Die hochkarätige "Attila"-Produktion fand im Windschatten von "Quo vadis" bislang wenig überregionale Resonanz, allerdings erscheint die Fachpresse teilweise erst später.

"Blutarme Nummernrevue" titelte die evangelische Wochenzeitung "Sonntagsgruß". "Manchmal wie von Hobby-Dichtern gereimt" seien die Texte, bei der Regie gehe "wenig zusammen". Fazit: Mit einem solchen Aufwand ließe sich "wirklich mehr bewerkstelligen". Das Luxemburger Wort würdigt die "technisch und optisch eindrucksvolle Bühnenausstattung", geht aber mit der "mangelhaften Qualität der Sprechtexte" und der "absurden Komik von Verspassagen" ins Gericht. Die Deutsche Presseagentur berichtet von "verhaltenem Applaus bei milden Temperaturen" und einem "geteilten Echo" auf die "grellen Kostüme und gewagten Sexorgien-Szenen". "Kein Treffer", urteilt der Gießener Anzeiger über den "schrägen Nero". Die Regie nutze die "eindrucksvolle Bühne" für Massenszenen, könne aber "unmotiviertes Gewusel nicht immer vermeiden". Mit dem Text sei es "ein Kreuz". Die "schlichten Knittelverslein" seien "wohl als Parodie gedacht", würden aber von den Darstellern "mit unbeirrbarer Hölzernheit wie in der Schule aufgesagt". Auch die Gießener Allgemeine sieht es nicht freundlicher. Trotz immensen Aufwands wisse "die episch breite Inszenierung nicht wirklich zu überzeugen". Der Regisseur habe trotz "sauber gearbeiteter einzelner Nummern" versäumt, "mutig den Rotstift anzusetzen". Bühnenbild und Darsteller kommen deutlich besser weg, bei der Musik aber vermöge "keiner der Songs nachhaltig zu zünden". Die "lahmenden Verse" und die "grellbunten Kostüme" finden keine Gnade.SWR 2 beklagt ein "Missverhältnis zwischen dem immensen technischen Aufwand und der künstlerischen Qualität dieser Produktion". Es fehle an "scharf profilierten Charakteren" und Szenen, "die eine emotionale oder gar intellektuelle Strahlkraft entfalten". Hauptproblem sei die "unfreiwillige Komik" der Texte, gegen die "selbst gestandene Schauspieler" nicht ankämen. Beim Finale opfere man "die vorhandenen Restbestände künstlerischen Anspruchs frohgemut zugunsten eines spektakulären Bühnentumults". Die Musik sei ein "weithin unstrukturiertes, auf Effekt getrimmtes, stilistisches Sammelsurium". Der Gesang sei "weit von jener Professionalität entfernt, die man von einer festivaltauglichen Produktion erwarten darf". "Musenquälerei" und "Viel Lärm um nichts" titelt das Internet-Magazin "hunderttausend.de". Eine "Verunglimpfung der Romanvorlage" macht die Kritikerin aus, angesichts von Versen, die "an das Gedicht der unbekannten Hausfrau erinnern: Wer nicht zu mir in Reimen spricht, dem reiche ich die Suppe nicht". Die Inszenierung sei "platt, flach und überzeichnet". Sie erreiche "trotz großartiger Mühe der Akteure" nur "den Zustand gelangweilter Übersättigung".