Verschmähte Nibelungen, hochschwangere Sängerinnen und entschwundene Senatoren

Verschmähte Nibelungen, hochschwangere Sängerinnen und entschwundene Senatoren

Ganze 3900 Besucher verbuchte die diesjährige "Sparversion" der Wormser Nibelungenfestspiele. Da kamen zu den Trierer Antikenfestspielen fast doppelt so viele. Allerdings lag die Auslastungsquote am Rhein bei fast 100 Prozent.

Trotz prominenter Besetzung mit Heinz Hönig, Dirk Bach und Anouschka Renzi blieb das Interesse der überregionalen Medien gering.

Die schauten stattdessen bei den Münchener Opern-Festspielen auf den Bauch der Sopranistin Diana Damrau. Die sang die Titelrolle der Strauss-Oper "Die schweigsame Frau", im siebten Monat schwanger. Opern-Festivals sind halt langfristiger geplant als Familien. Am Ende Entwarnung: Publikum begeistert, werdende Mama wohlauf.

Erstaunlich wohlauf sind heutzutage auch viele Menschen, die das 100. Lebensjahr erreichen. Das dokumentiert eine Ausstellung im Mainzer Rathaus, die diese Woche eröffnet wurde und bis zum 21. September läuft. Der Fotograf Karsten Thormaehlen zeigt unter dem Titel "Jahrhundertmensch" 30 lebensgroße Porträts von Hundertjährigen. Kritiker loben die "außerordentliche Präsenz" der greisen Modelle.

Nicht mehr präsent ist hingegen die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck. Im Windschatten des Rücktritts ihres Chefs Ole von Beust entschwand unauffällig auch die Kulturchefin der Hansestadt und hinterließ ihren Nachfolgern das Millionengrab Elbphilharmonie. Insider vermuten aber, dass es gar keine Nachfolge geben wird, weil der neue Bürgermeister das Kulturministerium einspart.

In Nordrhein-Westfalen hat Rot-Grün derweil Kultur- und Familienministerium zusammengefasst. Die neue Ministerin Ute Schäfer will mit einer "Kultur-Pauschale" die Finanzierung von Kultur in den Kommunen absichern. Die Schließung von Theatern, inzwischen an Rhein und Ruhr oft im Gespräch, sei "kein gutes Signal".

Berlin hat auch kein Geld, setzt aber trotzdem fleißig Signale. Das neueste: Der amerikanische Star-Architekt Daniel Libeskind darf für zehn Millionen Euro das Jüdische Museum erweitern. Das faszinierende Gebäude erhält durch einen Zusatzbau auf dem Areal der benachbarten Blumenmarkthalle Räume für Kultur- und Bildungsveranstaltungen. Beruhigend: Nicht die Stadt zahlt, das Geld kommt vom Bund und vom Freundeskreis des Museums.

Beruhigen dürfen sich auch die Fans von Pearl Jam: Die Tour 2010 ist zwar zu Ende, aber die Ansage beim Abschlusskonzert, es werde das letzte für lange Jahre sein, wurde umgehend dementiert. Dieter Lintz

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