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Verwirrte Blutsauger und Gänsehaut-Momente

Verwirrte Blutsauger und Gänsehaut-Momente

Die Trierer Fantasyautorin Sandra Baumgärtner hat sich mit ihren Vampirromanen eine treue Fangemeinde aufgebaut. Kürzlich ist der dritte Band der "Seraphim"-Reihe erschienen. Mit dem TV hat die Autorin über Erfolgschancen im Fantasygenre und ihr neues Buch gesprochen, das sie am Samstag in der Tuchfabrik vorstellt.

Fantasy boomt - der Eindruck drängt sich auf, wenn man an den Regalen der Buchhandlungen vorbeischlendert. Überall springen Namen und Titel erfolgreicher Autoren ins Auge: George R.R. Martins "Lied von Eis und Feuer", Bernhard Hennens "Elfen"-Reihe, Markus Heitz' "Die Legenden der Albae", Suzanne Collins' "Tribute von Panem". Die Kinofilme zu J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe" haben dem Genre Anfang des Jahrtausends einen großen Schub verliehen. Und seit dem Erfolg von Stephenie Meyers "Bis(s)"-Reihe (2005) stehen aus dem Kreis der übernatürlichen Wesen auch Vampire wieder hoch im Kurs. Unzählige Autoren versuchen seither mit Dämonen-Geschichten auf den Erfolgs-Zug aufzuspringen.Buchpremiere in Leipzig


Fantasy - ein Erfolgsgarant? Der Schein trügt, sagt die Trierer Autorin Sandra Baumgärtner. "Das sind einzelne Kollegen, die sehr erfolgreich sind. Für den Handel ist Fantasy aber fast tot." Die 44-Jährige hat kürzlich den dritten Band ihrer Vampirsaga "Seraphim" veröffentlicht. Am Samstag, 24. Mai, liest sie daraus in der Trierer Tufa (siehe Extra). Vorgestellt hat Baumgärtner den Roman auf der Leipziger Buchmesse. Die Halle 2, Standort der Fantasyliteratur, "brumme" zwar jedes Jahr, sagt sie. In den Katalogen der großen Verlage tauche Fantasy dennoch kaum auf.

Diesen Eindruck stützen auch aktuelle Umsatzzahlen, veröffentlicht vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Branchen Monitor Buch (Ausgabe Januar 2014). Dort heißt es, dass der Umsatz im Segment Fantasy/Science-Fiction 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 15,8 Prozent zurückgegangen sei. Der Fantasy-Anteil am Gesamtumsatz der Belletristik sinke ebenfalls. 2010 waren es 8,1 Prozent, 2013 noch 6,5 Prozent.
Die Szene, sagt Baumgärtner, lebe von "treuen Fans" und "kleinen, engagierten Verlagen". Ihre "Seraphim"-Reihe ist im Trierer Verlag Kleine Schritte erschienen. Dass sie es geschafft hat, eine Fangemeinde aufzubauen, führt die Autorin vor allem auf ihre lokalen Bezüge zurück. Vampirin Seraphim wird in Trier zur Untoten. Bekannte Örtlichkeiten wie Nells Park und Barbarathermen sind Teil der Geschichte.

Der dritte Band "Veritas Obscura" (Düstere Wahrheit) sei "blutiger" als die Vorgänger. "Es gibt mehr Leichen - aber ich habe immer noch Skrupel, Menschen reihenweise abzuschlachten", sagt Baumgärtner und lacht. Im neuen Buch entdeckt Vampirin Seraphim, die noch nie einen Menschen getötet hat, ihren Jagdtrieb. Verwirrt vom neuen Drang will sie mehr über dessen Ursache herausfinden - und landet in einem Kellergewölbe in Sommerau (Ruwertal). "Das sind einfach fantastische Settings, die jeder wiedererkennt."

Um für ihre Bücher zu werben, ist die Triererin viel unterwegs, auf Messen, Lesungen und Go-thictreffen. "Ich muss das nicht, aber es macht Spaß." Sie erlebe viel Eindrucksvolles, etwa die Lesung zu "Veritas Obscura" in der Trauerhalle des Leipziger Südfriedhofs: "Das war Gänsehaut-Atmosphäre."

Für Baumgärtner hat Fantasy einen besonderen Reiz. "Es sprengt noch mehr Grenzen als andere Genres - etwa durch die Fähigkeiten der Helden, die unsere um ein Vielfaches übersteigen." Sie habe sich zwar auch schon an einem Krimi versucht. Aber: "Im Moment ist mir die Fantasycouch zu bequem." Kritisch sieht sie dennoch, dass die Buchkunden doch mehrheitlich "nur die Bestseller kaufen". Ihr Appell: "Häufiger ein Wagnis eingehen und zum unbekannten Autor greifen."
Ein Wagnis geht die Autorin zurzeit selbst ein. Über die Internetplattform Startnext ruft sie Fans auf, sich an der Finanzierung des Kinderbuchs "Vampi - Die kleine Vampirfledermaus" zu beteiligen. Mit der Berliner Illustratorin BenSwerk hat sie die ersten Bilder zur Geschichte um die Fledermaus, die in der Porta Nigra wohnt, entwickelt. Geplant ist auch ein Hörbuch.

Die nötigen 5000 Euro sollen die Startnext-Nutzer spenden. Crowdfunding heißt das Modell, mit dem etwa auch junge Musiker ihr erstes Album finanzieren. 600 Euro sind schon auf dem Konto, bis zum 6. Juli läuft die Aktion: "Eine tolle Idee, kreative Projekte zu fördern." Das Kinderbuch-Projekt "Vampi" können Sie unterstützen unter www.sandra-baumgaertner.de oder www.startnext.de/vampiExtra

Autorin Sandra Baumgärtner liest am Samstag, 24. Mai, um 20 Uhr im großen Saal der Tuchfabrik Trier aus ihrem neuen Vampirroman "Seraphim: Veritas Obscura". Das Buch ist seit März im Handel und ist der dritte Teil der Saga um die Vampirin Seraphim, die unter anderem in Trier ihr Unwesen treibt. Musikalisch begleitet wird die Lesung am Cello von Maria Kulowska. Dazu schenken vier Leiwener Winzer ihre Weine aus. Karten für die Lesung inklusive Weinprobe gibt es im TV-Service-Center Trier. cwebExtra

Sandra Baumgärtner, geboren 1970 in Ludwighafen, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Trier. Nach dem Abitur wollte sie Kunst studieren. Nach Reisen durch Australien und Schottland begann sie jedoch ein Innenarchitektur-Studium an der Hochschule Trier. In Trier entdeckte sie ihre Liebe zum Schreiben und schuf ab 2011 die Vampirsaga "Seraphim" (Carpe Noctem, Mea Culpa, Veritas Obscura). Band 4 ist fast fertig. Nebenbei schreibt sie Kurzgeschichten und ist an dem Fantasy-Kochbuch "Die Köche" beteiligt. cweb