Verzauberte Prinzessinnen und sehnsüchtige Prinzen

Verzauberte Prinzessinnen und sehnsüchtige Prinzen

In eine bunte Märchenwelt entführte das "Klassische Russische Ballett aus Moskau" sein Publikum in der Trierer Europahalle mit Peter Iljitsch Tschaikowskys Ballett "Schwanensee". Die schönen Bilder machten allerdings nicht die tänzerischen Mängel wett.

Trier. Im Hintergrund erscheint die traumblaue Kulisse eines Bergsees. Davor versammeln sich die weißen Schwäne. Betörend schön erklingt das Motiv des Schwanensees. "Nur jene Musik kann rühren, erschüttern, reizen, welche der Tiefe einer durch Inspiration bewegten Seele entströmt", da war sich Peter Tschaikowsky sicher. Ohne Frage ist auch die Musik seines ersten Balletts tief empfunden und beseelt.
Trotzdem fiel der "Schwanensee" bei seiner Uraufführung 1877 in Moskau durch. Fast hätte der enttäuschte Tschaikowsky die Musik neu geschrieben. Das hat sich inzwischen längst erledigt. Die Geschichte vom Prinzen und der von einem bösen Zauberer in einen Schwan verwandelten Prinzessin Odette gilt heute als das klassische Ballett schlechthin. Seit ihrer Entstehung hat sie unzählige Deutungen erfahren.
Auch in der fast ausverkauften Europahalle in Trier ließ sich ein begeistertes Publikum, darunter sehr viele junge Zuschauer, vom Zauber des berühmten Stückes in eine Märchenwelt entführen. Zu Gast war das "Klassische Russische Ballett aus Moskau" unter der künstlerischen Leitung von Hassan Usmanov. Seinem klassischen Programm gemäß stützt sich das 2004 gegründete Ballett auf die Choreographie von Lew Iwanow und Marius Petipa. Einen bunten unterhaltsamen Abend mit manch schönem Bild, der nach der Pause erheblich an Schwung und tänzerischer Qualität zulegte, bot die russische Truppe ihrem Trierer Publikum.
Tatsächlich gehört die Rolle der Prinzessin Odette und ihres dunklen Alter Ego Odile, dargestellt in der Rolle des weißen und schwarzen Schwans, zu den schwersten tänzerischen Partien überhaupt. In Trier teilten sie sich Olga Grigorieva (Odette) und Natalia Kungurtseva (Odile). Vor allem Grigorieva wirkte bisweilen in ihrer Rolle recht steif. Allerdings tat auch die kleine Bühne das Ihre. Die Enge ließ im Wortsinn wenig Spielraum. Beim Schwanentanz wirkte sie sogar ausgesprochen überfüllt. Auch Alexander Butrimovich als Prinz Siegfried konnte sich tänzerisch kaum ausleben. Überhaupt fehlte es ihm deutlich an Ausdruckskraft. So mancher Pas de deux mit seiner Prinzessin hatte da mehr von sportlicher Hilfestellung als von liebender tänzerischer Synthese.
Als Zauberer beeindruckte der athletische Alexey Krul eher durch Kraft als durch Präzision. Und auch vom Hofnarren Hassan Usmanov hätte man sich mehr schauspielerische und tänzerische Vielfalt gewünscht. Ausgesprochen anmutig und keck, dabei sehr präzise, geriet das berühmte Allegro moderato mit dem Tanz der vier Schwäne. Frisch und flott gelangen zudem die folkloristischen Tänze der dem Prinzen als Braut präsentierten Prinzessinnen aus unterschiedlichen Ländern.
Wenig zur märchenhaften Stimmung trug hingegen die Musik aus den bisweilen quäkenden Lautsprechern bei. Dem Publikum gefiel es trotzdem. Es bedankte sich mit herzlichem Applaus.