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Viel Applaus für die leisen Momente

Viel Applaus für die leisen Momente

Er ist eine Mischung aus Latin-Lover und nettem Schwiegersohn: Mit seinen gefühlvollen Liedern berührt Semino Rossi die Herzen seiner weiblichen Fans. Am Freitag haben 3000 Besucher in der Trierer Arena ein abwechlungsreiches Konzert des gebürtigen Argentiniers erlebt.

Trier. Zwei Männer, zwei Gitarren, hinter dem Vorhang ein Schlagzeug, das leise den Rhythmus angibt. Wenn Semino Rossi mit seinem Freund Humberto Buenaventura "La Paloma" und andere lateinamerikanische Weisen spielt und singt, dann kommt in der Trierer Arena eine fast intime Atmosphäre auf - so als säße der in Österreich lebende Argentinier wie noch vor zehn Jahren in einer kleinen Hotelbar, um sein Publikum zu unterhalten.
Zwar tritt Rossi heute, längst zum Schlagerstar geworden, nicht mehr vor ein paar Dutzend Gästen auf, sondern wie am Freitagabend vor 3000, doch die Nähe zu seinen Zuhörern hat er sich bewahrt. "Security, bitte erlauben Sie", sagt er zu einem Saalordner, als eine Dame zur Bühne will, um ein Geschenk zu überreichen. "Schokolade hat immer Priorität!", fügt er lachend hinzu. Süßigkeiten hat er da schon kiloweise auf die Bühne gebracht bekommen. So viel, dass er selbst zusammen mit seiner Begleitband, dem Streichquartett, den drei Sängerinnen und den drei Tanzpaaren Mühe haben dürfte, alles bis zum nächsten Auftritt zu verzehren.
Neben den eher leisen Momenten, die mit besonders viel Applaus bedacht werden, gibt es aber auch die großen Show-Auftritte mit den eigenen Schlagern wie "Ich würd\' es wieder tun" oder "Das Tor zum Himmel", aber auch Oldies wie "Aber Dich gibt\'s nur einmal für mich" von den Nilsen Brothers.
Doch Rossi bekommt auch Gelegenheit zu zeigen, dass er weitaus vielseitiger ist. Er singt nicht nur spanischsprachige Titel, sondern schreibt auch eigene Stücke wie das mystisch-geheimnisvolle "Yaakun man K\'uh", das er "den Maya und den Indios" widmet. Dass das Siedlungsgebiet der Maya von Buenos Aires so weit entfernt ist wie Trier vom Himalaya, ist an diesem Abend egal. Erlaubt ist alles, was lateinamerikanisch ist, von der Karibik bis zu den Anden. So hat als Gast auch die neue Generation von "Los Paraguayos" ihren Platz im Programm.
"Augenblicke" heißt die Tournee, und einen ganz besonderen Augenblick ruft Rossi, nur vom Keyboard begleitet, in Erinnerung - mit dem Lied von der Schildkröte Manuelita, das ihm seine Mutter zum Einschlafen sang. Das ist ebenso schlicht und beeindruckend wie das Ave Maria, mit dem sich der Sänger von seinem Publikum verbaschiedet, bevor er sich von der Bühne herunterbeugt und zahllose Hände schüttelt. Anschließend nimmt er sich viel Zeit, um alle Autogrammwünsche seiner vorwiegend weiblichen Fans zu erfüllen.
Viele Gäste sind von weit her gekommen, aus dem Saarland, aus Luxemburg, sogar aus Holland. Einen kurzen Heimweg haben dagegen Edith Schneider und Helga Brech aus Trier, beide schon zum dritten Mal bei Semino Rossi und abermals begeistert vom Konzert. Sie kündigen an: "Wir singen jetzt unterwegs weiter!"

Extra

Semino Rossi wurde am 29. Mai 1959 in Rosario (Argentinien) geboren, kam 1985 nach Europa und lebt heute mit seiner Frau in Österreich. Zunächst trat er als Straßenmusiker, später in Hotels auf. Erst im Jahr 2004 wurde er mit Fernsehauftritten in Deutschland bekannt und veröffentlichte seine erste CD. Zwei Jahre später schaffte es sein Album "Ich denk an dich" auf Platz eins der Charts. Eine neue CD soll im Juni erscheinen. daj