Viel Rauch um viel

In jedem Monat präsentiert TV-Redakteur Andreas Feichtner seine persönlichen Konzertempfehlungen der nächsten Wochen. Im Juni freut er sich auf The Prodigy. Gespannt ist er zudem, ob die neueste "Supergroup" wirklich super ist.

Trier. (AF) So könnte doch mal ein feines Open Air aussehen: Zum Auftakt des Abends bringen die Queens of the Stoneage das Publikum auf Betriebstemperatur. Dann machen die Foo Fighters weiter. Für den krönenden Abschluss sorgt Led Zeppelin. Nein, das gibt es so nicht. Und man wird es vermutlich auch nicht erleben. Die komprimierte Version gibt es aber schon - bereits am 7. Juni. Dann treten Them Crooked Vultures (TCV) innerhalb von 24 Stunden gleich zwei Mal in der Region auf. Zum einen in der Nacht auf Montag als Abschluss von Rock am Ring (auch wenn man dann zeitgleich auf die großartigen Foals verzichten muss). Am Montagabend dann in Luxemburg in der Rockhal Esch. Im kleinen Saal spielen parallel die Beatsteaks (Headliner beim "Southside"-Festival!). Diese Kombi ist selbst für Luxemburg Luxus.

Den Namen Them Crooked Vultures wird man nur selten in einem Satz lesen, in dem sich nicht irgendwo der Anglizismus "Super-Group" versteckt. Das ist das Schicksal, wenn gestandene Rock-Persönlichkeiten wie Dave Grohl (Foo Fighters, Nirvana), John Paul Jones (Led Zeppelin) und Josh Homme (Kyuss, Queens of the Stoneage) zusammen eine Band gründen: Promo gibt es bei einer solchen Prominenz reichlich. Aber die Erwartungen sind himmelhoch. Für die meisten Supergroups galt in der Vergangenheit: Zusammen ist man weniger als die Summe der einzelnen Teile. Nur ein Beispiel: Wenn man sich Ende der 80er die Traveling Wilburys anhörte, konnte man unvoreingenommen sagen: gar nicht so übel. Wenn man aber wusste, dass hinter der fiktiven Familie Wilbury Legenden wie George Harrison, Bob Dylan, Roy Orbison und Tom Petty steckten, bleibt im Rückblick doch eher ein: gar nicht so großartig. Zumindest, wenn man nicht gerade beim "Rolling Stone" arbeitet und automatisch alles überragend finden muss, was Dylan je gemacht hat. Bei TCV ist es zu früh für den Rückblick. Erst mal sehen, was sie live zu bieten haben - auch da sind die Erwartungen hoch. Die großen Konzerte finden im Juni unter freiem Himmel statt.

Bei Rock am Ring gibt's zur Abwechslung wohl mal sommerliches Wetter (3. bis 6. Juni, Start am Donnerstagabend mit Kiss). Am 27. Juni lockt dann das kompaktere Rock-a-Field ins luxemburgische Roeser. Angekündigt haben sich zum bis dahin voraussichtlich ausverkauften Open Air unter anderem The Prodigy. Die Engländer um Soundtüftler Liam Howlett und die Rampensäue Maxim Reality und Keith Flint sind live ein Garant für jede Menge Bewegung vor der Bühne. Ebenfalls dabei sind 30 Seconds to Mars, Gossip und Jan Delay. Für Fußballfans dürfte sich die Konzertplanung im Juni auch am WM-Spielplan orientieren. So könnte es am Rock-a-Field-Sonntag etwa auch Achtelfinal-Klassiker wie Deutschland - England oder Frankreich - Argentinien geben, theoretisch zumindest. Spiele, die man vielleicht nicht unbedingt aus der zwölften Reihe auf dem Kleinstfernseher an der Frittenbude sehen will. Auf der Exhaus-Sommerbühne wird diese Problematik elegant umschifft: So ist der Auftritt der US-Punkrock-Größen Hot Water Music so angelegt, dass man WM und Band kombinieren kann. Heißt: Hot Water Music werden fertig sein, bevor Deutschland im ersten WM-Spiel auf Australien trifft (13. Juni, 20.30 Uhr). Das Spiel wird auf Großleinwand gezeigt.

Zugabe:

Supertramp-Songs gibt's von Roger Hodgson (6. Juni, Arena Trier). Mark Knopfler (Dire Straits) kehrt in die Rockhal zurück (8. Juni). Punkrockig wird es bei Bad Religion (15.6., Rockhal) und den Boxhamsters (11.6., Trier, Exhaus). Ebenfalls in der Rockhal: Skunk Anansie (30.6.), Vampire Weekend (17.6.) und Lamb of God (9.6.). Im Luxemburger Atelier spielen u.a. Chris Isaak (17.6.) und Juliette Lewis (9.6.)