Viel Witz und wenig Drumherum

Viel Witz und wenig Drumherum

Dieter Nuhr arbeitet minimalistisch. Kein Bühnenbild, keine Accessoires, keine besondere Kleidung für den Auftritt. Und dennoch schafft es der Kabarettist, die knapp 3500 Zuhörer in der Trierer Arena mehr als zwei Stunden bestens zu unterhalten.

Trier. "Ein Kabarettist ist empört, weil die Welt nicht seinen Maßstäben entspricht", sagt Dieter Nuhr über sich und seine Kollegen. Und Nuhr ist über vieles empört. Zum Beispiel über Menschen, die nicht wählen. Denn die haben seiner Ansicht nach die Lizenz zum Jammern verwirkt. Und überhaupt das Jammern. Die ewige Unzufriedenheit im Land zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm. Dabei ist laut Nuhr doch alles gar nicht so schlimm.
Rentner haben es gut


Zum Beispiel das mit dem Ozonloch. Vor einigen Jahren seien die Burkaträgerinnen noch die Avantgarde im Kampf gegen den Hautkrebs gewesen, heute sei doch alles gar nicht mehr so wild.
Und auch für die Euro-Krise hat Nuhr einen Rat: "Investieren Sie in pakistanische Rupien, dann sind Sie Geld und Sorgen los."
Da haben es laut dem Kabarettisten die Rentner gut. "Wenn die das Gejammer nicht mehr hören können, dann machen sie das Hörgerät einfach aus."
Neben den allgemeinen Betrachtungen zur deutschen Befindlichkeit und anderen Themen wie Fahrradhelme ("Ich will auf dem Fahrrad nicht aussehen wie Ritter Rost"), Vegetarier oder Schlagerbarde Micki Krause nimmt Nuhr natürlich auch das aktuelle Tagesgeschehen aufs Korn.
Wenngleich sich in diesem Jahr bisher noch nicht viel ereignet hat. Natürlich darf aber der ADAC-Skandal nicht fehlen. Nuhr spricht über eine Statistik, nach der eine große Anzahl von Menschen an ärztlichen Kunstfehlern stirbt. "Hoffentlich ist die Statistik vom ADAC gemacht", sagt Nuhr und bekommt Applaus.
Kanzlerin Angela Merkel kriegt ebenfalls ihr Fett ab. Der Kabarettist amüsiert sich, dass Merkel sich ausgerechnet den Hintern verletzt hat "ihr wichtigstes Organ". Die einzige Emotion, die er von Frau Merkel kenne, sei beim Fußball, behauptet der Kabarettist und reißt zaghaft die Arme hoch.
Überhaupt agiert Nuhr sehr sparsam, genauso wie es auch das Bühnenbild ist. Das gibt es eigentlich gar nicht. Nur ein kleiner Tisch, auf dem sich ein Glas Wasser und sein Tablet-PC befinden. Letzteres scheint ihn durch sein rund zweistündiges Programm zu navigieren, denn immer wieder blickt er darauf. Weiteres Accessoire ist das Mikrofon in der Hand.
Dieter Nuhr sagt auch selber, dass es eigentlich keine Show ist. Denn dazu fehlen alle Zutaten. Es gebe kein Gewinnspiel und keine Leinwand. "Leinwand ist doof", sagt er in der für ihn typischen einfachen, leicht flapsigen Ausdrucksweise. Und trotzdem schafft es Nuhr mit diesen reduzierten Mitteln, die Leute zum Lachen zu bringen ohne das Niveau abzusenken oder beleidigend zu sein. Besonders wenn sich seine Erzählungen ins vollkommen Absurde steigern. So etwa, als er die Dramaturgie eines Pornofilms erzählt. Das ist zum Brüllen komisch.