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Viele große Namen, viele kleine Fans

Luxemburg. Der Luxemburger Philharmonie geht es gut. Konstante Besucherzahlen oberhalb der Marke von 150 000 pro Jahr, solides Finanzmanagement, krisenresistent sprudelnde Sponsorengelder, hohe künstlerische Qualität: Da lässt sich die neue Saison prächtig planen. Es bleibt beim bewährten Mix aus arrivierten Stars und künstlerischer Neulandgewinnung. Von unserem Redakteur Dieter Lintz

Luxemburg. Eigentlich könnte sich Matthias Naske die Sache ganz einfach machen. Er bräuchte vor der versammelten Journalistenschar nur die Liste der Stars zu verlesen. Die Pianogenies Lang Lang und Hélène Grimaud, die Stimmwunder Diana Damrau und Andreas Scholl, die Dirigentenlegenden Muti, Mehta, Thielemann und Gergiev, Kultorchester wie die Wiener und die New Yorker Philharmoniker, das Amsterdamer Concertgebouw oder die Londoner Sinfoniker, Jazzgiganten wie Chick Corea und Brad Mehldau. Was in Luxemburg in der nächsten Saison aufläuft, würde reichen, um jede Grammy- oder Echo-Verleihung komplett zu bestücken.

Jeder fünfte Abonnent unter 18



Aber der Intendant der Luxemburger Philharmonie macht etwas ganz anderes. Er erzählt von Loopino, Philou, Miouzik und iPhil. Das sind die Nachwuchs-Abos, altersgerecht strukturiert vom Baby bis zum Teenager. Inklusive individueller Betreuung durch die Projektleiter und, wo machbar, Kontakt mit den Künstlern. Maßgeschneidert und unglaublich erfolgreich. 20 Prozent aller Abonnenten machten "die Kleinen" aus, sagt Naske stolz. Er hat, schneller und konsequenter als andere, begriffen, dass die Klassik sich ihr Publikum selbst heranziehen muss, wenn sie im demografischen Wandel nicht zur Marginalie werden will.

Und es gibt noch mehr Erfolgsrezepte, von denen man lernen kann: offensive Öffentlichkeitsarbeit, Gastlichkeit und Kommunikation. Kostenlose Programmhefte. Ein exzellenter Internet-Auftritt und ein hochprofessionelles Ticketing. Dann klappt's auch mit den Zuschauern.

Programmlich setzt die Philharmonie in der kommenden Saison auf Kontinuität. Die großen Zyklen bieten reichlich Begegnungen mit Stars - neben den eingangs genannten stehen auch Franz Welser-Möst, Riccardo Chailly, Alan Gilbert, Andris Nelsons, Daniel Harding, William Christie, Julia Fischer, Rudolf Buchbinder, Martha Argerich, Mitsuko Uchida, Maria Joao Pires, Andras Schiff, Christof Prégar dien, Dietrich Henschel, Magdalena Kozena oder Mariza auf der Bühne - um nur einige der großen Namen zu nennen.

Aber es sind nicht nur die Promis, denen das Haus am Kirchberg ein Forum liefert. Fast jeder vierte Abonnent, verrät Intendant Naske, kommt zu Jazz oder Weltmusik. Bei der Kammermusik stehen internationale Ensembles inzwischen Schlange, weil das Luxemburger Publikum den Ruf hoher Kompetenz genießt.

Und dann gibt es da ja auch noch die Grenzgänge bei zeitgenössischen Zyklen wie "Musiques d'aujourd'hui" und "On the border". Und nicht zu vergessen die "Fräiraim" mit ihrem starken regionalen Einschlag.

Auf Erfolgskurs bewegt sich das Vorabendprogramm "Chill at the Phil". Was für ein Luxus: Da spielen Größen wie der New Yorker Singer-Songwriter Eric Bibb oder die Jazzsängerin Rigmor Gustafsson mal eben zum Entspannen um 18.30 Uhr.

Und bei alledem bleibt noch Platz für das Besondere: ein Abend mit dem Schriftsteller Martin Walser und dem Bariton Christian Gerhaher beispielsweise. Oder ein Programm mit Kompositionen aus dem KZ Theresienstadt, dargeboten von der Sängerin Anne Sofie von Otter und dem Geiger Daniel Hope.

Noch ein besonderer Tipp: Weil die Saison diesmal schon Ende August startet, ist das Auftaktkonzert mit Riccardo Muti nicht in allen Abos. Das erhöht die Chance, im freien Verkauf noch Tickets zu ergattern.

PHILHARMONIE TIPPS



Details, Termine im Internet: www.philharmonie.lu. Und im Mai in der TV-Beilage "Kultur de Lux". Ausführliches Programmheft mit Abo-Formular kann unter 00352/26322632 bestellt werden. Bis 3. Mai können bereits bestehende Abos verlängert werden, dann kommen Neu-Abonnenten zum Zug. Freier Verkauf für einzelne Konzerte einen Monat vor Termin. Zu ausgewählten Zyklen gibt es einen Bus-Shuttle aus Trier.