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Viele Künstler können sich New York nicht mehr leisten

Kolumne Unterm Strich : Von Kellnern und Künstlern - oder: Wie man in New York überlebt

Vor Jahren veröffentlichte die Zeitschrift „New Yorker“ einen Cartoon, der nichts von seiner Aktualität verloren hat: Zwei Männer stehen auf einer Bühne, Textbücher in der Hand.

Sagt der eine zum anderen: „Eigentlich bin ich Kellner. Ich mach‘ das hier nur so lange, bis ich wieder einen richtigen Job habe.“ Das dürfte freilich im Moment ebenso schwierig sein, wie eine gute Rolle zu ergattern. Viele Künstler(innen), die im „Big Apple“ auf den Durchbruch hoffen, arbeiten in Kneipen und Schnellrestaurants, um sich den großen Traum vom Erfolg als Schauspieler, Sängerin, Musiker, Maler oder Autorin finanzieren zu können. Aber das ist nicht mehr so einfach wie früher. Das Coronavirus hat viele Kellnerjobs vernichtet, weil Restaurants gezwungen waren zu schließen. Was wird also aus dem kreativen Klima einer Stadt, die von sich selbst behauptet, niemals zu schlafen, wenn es die Arbeitsplätze nicht mehr gibt, die vielen das Leben hier ermöglichten und zur künstlerischen Kultur in der Metropole beitrugen? Rund 273 000 Angestellte waren in der New Yorker Restauration beschäftigt; einer von ihnen war Travis McClung. Für den 28-Jährigen aus Texas war der Job ein Sicherheitsnetz: „Er hat mir erlaubt, in New York zu bleiben, meine Miete hier zu bezahlen.“ Die derzeitige Situation dürfte viele, die künstlerisch tätig sein wollen, davon abhalten, überhaupt nach New York zu ziehen. Das befürchtet nicht nur Jen Lyon, Besitzerin von MeanRed Productions, einem Unternehmen für Kunst- und Musikveranstaltungen. Sie weiß, wie schwer es für aufstrebende Künstler war und ist, in der Stadt zu überleben. Sie hat selbst in einer Bar gearbeitet. Kellner(in) sei überhaupt „einer der besten Arbeitsplätze, wenn du dich auf deine Kunst konzentrieren willst. Wenn diese Jobs nun weitgehend verschwänden, „habe ich keine jungen Künstler mehr, mit denen ich arbeiten kann, weil sie sich New York nicht mehr leisten können ... Wir werden ein Jahrzehnt an möglichem Talent verlieren.“

Derlei Sorgen hat er längst hinter sich – wenn er sie je hatte: Donald Sutherland war quasi vom Glück verfolgt: Der Kanadier arbeite schon während der Schulzeit als DJ bei einem Radiosender, wirkte als 15-Jähriger in einem Hörspiel mit, und als ihm ein Kritiker nach einer „Sturm“-Aufführung im Studententheater empfahl, professioneller Schauspieler zu werden, ging er zum Studium nach London und hatte seinen ersten Auftritt neben Rex Harrison. Von da an lief es wie geschmiert, vor allem mit dem Film: „Das dreckige Dutzend“, „M.A.S.H.“, Klute“, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ sind nur einige seiner mehr als 100 Filme. Und populär ist er bis heute geblieben – zuletzt sogar bei jungen Zuschauern, die ihn als skrupellosen Präsidenten Snow aus der Reihe „Die Tribute von Panem“ kennen. Eine solche Bewunderung ist vielleicht mehr wert als der Oscar, den er nie bekommen hat (abgesehen von einem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk). Heute feiert Donald Sutherland seinen 85. Geburtstag. Demnächst beginnen die Dreharbeiten für den Film „Armageddon Time“, in dem er neben Robert De Niro, Anne Hathaway und Cate Blanchett mitwirkt. no/dpa