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Vielfältiges Biotop

Vielfältiges Biotop

Nicht nur absolut sehenswert, sondern auch Ausgangspunkt für Kunstreisen im Kopf ist die Ausstellung "Kunst nach 1945" im Haus Beda in Bitburg.

Bitburg. (er) Joseph Beuys blickt vierfach in den Raum. Er ist grün im Gesicht. Nicht, weil mal wieder jemand sein "Jeder Mensch ist ein Künstler" falsch verstanden hat, sondern weil Andy Warhol, der Mann, der aus Ikonen und Idolen serientaugliche Massenware machte, ihn so eingefärbt hat. Überhaupt ist der Rheinländer Beuys mit seinem "Braunkreuz" und seinem Objektkasten "Intuition", die leider arg nebensächlich in der Ecke hängen, der Star der derzeitigen Ausstellung im Bitburger Haus Beda. In den beiden Arbeiten wird gleichermaßen der Mystiker Beuys sichtbar, aber auch der Poet mit seiner Sehnsucht nach einer menschlicheren Welt durch die Kunst.

Ein weites Feld zeigt die Schau "Kunst nach 1945" im Bitburger Haus Beda. Einmal mehr haben die Veranstalter aus der Not eine Tugend gemacht und kammerspielartig einige wichtige Positionen dieses riesigen Biotops künstlerischer Artenvielfalt einander gegenübergestellt. Dabei haben sie sich auf Deutschland konzentriert. Die Ausstellung vermittelt denn auch vor allem Hinweise auf die wichtigsten Themen der zeitgenössischen Kunst hierzulande.

Warhol, Wesselmann, Lichtenstein und Rauschenberg belegen, wie vielfältig allein die Pop Art ist und welch starke Wurzeln sie in der Vorkriegskunst Europas hat. Ein zentrales Thema ist zudem die Abstraktion, die gerade den Künstlern der Nachkriegszeit oft als der einzige Ausweg aus der ideologisch dienstbar gemachten Gegenständlichkeit der Nazikunst erschien. Manch einer bleibt hier freilich lediglich Platzhalter, so wie Gotthard Graubner, der wichtigste deutsche Farbfeldmaler. Weit einleuchtender im Wortsinn präsentiert sich dagegen sein Münchner Kollege Rupprecht Geiger. Günther Ueckers Nagelarbeiten bestechen durch ihre Materialästhetik. Einmal mehr dokumentiert sich darin die Freiheit der Mittel, auch ein typisches Kennzeichen zeitgenössischer Kunst.

"Kunst nach 1945" ist bis zum 22. November von dienstags bis freitags, 15 bis 18 Uhr, und wochenends, 14 bis 18 Uhr, im Haus Beda in Bitburg, Telefon 06561/96450, zu sehen. Infos im Internet: www.haus-beda.de