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"Vielleicht will ich nicht erwachsen werden"

"Vielleicht will ich nicht erwachsen werden"

Die einen finden ihn witzig, die anderen einfach nur albern. Und ernst nimmt ihn eigentlich niemand. Fakt ist: Otto Waalkes ist einer der erfolgreichsten deutschen Komiker. Im September kommt er mit seinem Soloprogramm nach Trier.

Trier. Seit fast 40 Jahren steht Otto Waalkes auf der Bühne - seinen persönlichen Prozess des Erwachsenwerdens nennt er das. Im Interview mit TV-Redakteurin Eva Großeastroth spricht der 63-Jährige über seine ewige Pubertät und einen Auftritt bei "Rock am Ring".
Über Ihren Humor kann man streiten. Wenn ein Magazin zu Ihrem 60. Geburtstag schreibt "Großhirn an Otto: Bitte aufhören" - ärgert Sie so etwas?
Otto Waalkes: Nein, dann wird man ja wenigstens wahrgenommen. Man kann da immer literaturkritisch rangehen, aber es hat ja auch eine Weiterentwicklung stattgefunden, sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Wenn man das Gleiche jetzt schon über 30 Jahre machen würde, würde das ja gar nicht mehr gehen.
Ihr Humor wird oft als kindisch, als ewig pubertär beschrieben. Wollen Sie irgendwann noch erwachsen werden?
Waalkes: Die Tourneen und alles, was ich mache, dienen meinem persönlichen Prozess des Erwachsenwerdens. Vielleicht werde ich es ja irgendwann, wer weiß. Vielleicht will ich auch nicht erwachsen werden, ich weiß es einfach noch nicht. Es läuft noch so gut, und die Leute finden es ja klasse. Wenn ich in den Filmen als Zwerg auftrete - welcher erwachsene Mann macht denn so was? Das passt einfach nicht.
Nimmt Sie irgendjemand ernst?
Waalkes: Das ist mein Problem, ich versuche immer ernst genommen zu werden, aber man nimmt mich einfach nicht ernst. Das macht mich völlig wahnsinnig. Ich war Kunststudent und habe versucht, mein Studium finanziell aufzubessern. Ich bin in kleinen Clubs aufgetreten und wollte ernsthafte Folklore machen. Mir ist dabei immer das Mikro runtergefallen, und dann habe ich mich entschuldigt, und die Entschuldigungen sind besser angekommen als das Gitarrenspiel. Und das ist bis heute dabei geblieben.
Nimmt Ihre Familie Sie ernst?
Waalkes: Noch nicht. So lange habe ich die ja noch nicht.
Mit Ralf Schmitz haben Sie das "Dinner For One" neu aufgenommen …
Waalkes: Ja, das ist ‘nen guter Kumpel, mit dem kann man solche Sachen machen.
In der Szene versammeln Sie die ganz großen Komiker zum 90. Geburtstag um Miss Otti: Heinz Rühmann, Hans Moser, Rudi Carrell und Heinz Erhardt. Wer sind Ihre Vorbilder?
Waalkes: Das sind meine Vorbilder. Loriot ist natürlich auch stark. Das sind Leute, an denen man sich orientieren kann, bei denen man sich etwas abgucken kann, das einem so ein bisschen den Weg weist. Große Männer.
In Ihren Kinofilmen spielen viele aktuelle Stars der deutschen Comedyszene mit. Gibt es jemanden, der auf keinen Fall im nächsten Film dabei sein darf?
Waalkes: Es darf jeder mitspielen. Es kommt natürlich auf die Story an. Wenn es um Otto allein in der Wüste oder auf einer einsamen Insel geht, können wenige mitspielen. Für eine Schlacht brauche ich natürlich ein paar Darsteller …
Können Sie über Ihre eigenen Filme lachen?
Waalkes: Ja, sehr. Wenn ich nicht drüber lachen könnte, würde ich es nicht machen. Einen Film zu machen dauert zwei Jahre. Und es ist unkalkulierbar, ob es ein Erfolg wird oder nicht. Das ist schon schwierig. Auf der Bühne gehst du rein, und die Leute jubeln. Das ist einfacher. Und wenn Scherze nicht ankommen, kannst du die rausnehmen und machst was Neues. Beim Film bist du festgelegt. Andererseits bist du glücklich, wenn du alles am Ende zu einem großen Ganzen zusammengesetzt hast.
Mit Ihrer Band, den Friesenjungs, waren Sie 1995 bei "Rock am Ring" dabei. Können wir Sie im nächsten Jahr als Headliner ankündigen?
Waalkes: Das lasse ich auf mich zukommen. Es gibt da schon Interessen. Das ist ja das Gute an dem Job. Da kann man sich zurücklehnen und sich was gescheites Neues ausdenken, zum Beispiel neue Drehbücher, Fernsehshows, neue Auftritte.
Bei Ihren Rockauftritten singen Sie die AC/DC-Parodie "Auf dem Heimweg wird\'s hell". Wie kommt das bei den harten Jungs an?
Waalkes: Bei einem Konzert in Österreich haben sie jeden meiner Texte mitgesungen. Das war unglaublich, das war wahnsinnig. Und um die Ottifanten haben sie sich geprügelt.
Heavy-Metal-Fans prügeln sich um Ottifanten?
Waalkes: Die Mädchen. Ist wirklich da passiert. Ich bin fast ausgeflippt.
Was unterscheidet das Publikum von dem bei Ihren Soloauftritten?
Waalkes: Das waren 50 000 Leute, ein Partypublikum, die haben die ganze Nacht gefeiert. Waren aber voll zurechnungsfähig. Die kannten die ganzen Texte ... (fängt an zu singen) Faber Krönung, Deinhart Lila, Grappa, Calvados, Tequila, Asbach Uralt, Spätburgunder und Pernot … Wir haben Grund zum Feiern … eg

Grund zum Feiern gibt es am Dienstag, 20. September, in Trier: Otto Waalkes tritt um 20 Uhr mit seinem Soloprogramm in der Arena auf. Karten gibt es in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 und auf www.volksfreund.de/tickets