Vielseitig und kunstfertig

Vielseitig und kunstfertig

Das Orgelkonzert zum Pfingstfest hat in der Salvatorbasilika in Prüm Tradition. Dieses Mal bediente Ignace Michiels, Organist der Brügger Kathedrale die Tasten - virtuos und vielschichtig. Nur die Technik der Orgel trübte den Konzertgenuss ein wenig.

Prüm. (gkl) Zu Gast in diesem Jahr war Ignace Michiels, Organist an der Kathedrale im belgischen Brügge. Er eröffnete sein für ein Orgelkonzert recht opulentes Programm mit der Fantasia super "Komm, heiliger Geist", BWV 651, von Johann Sebastian Bach. Schon bei dieser Komposition zeigte Michiels seine Qualitäten. Von der technischen Seite her war sein Spiel unanfechtbar, was ihm die Freiheit ließ, sich ganz auf die Ausdeutung der musikalischen und auch theologischen Inhalte dieses Pfingstchorales zu konzentrieren.

Ein weiteres Hauptwerk seines Konzertes war die vierte Sonate in B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit Schwung ging er dieses vielschichtige Werk an. Beeindruckend war hier besonders seine Kunstfertigkeit, mit den Klangfarben der Prümer Klaisorgel zu spielen. Ein großes Talent, das auch dem Allegretto, Opus 92, von Marco Enrico Bossi oder den baskischen Landschaftsbildern von Ermend Bonnal sehr zugute kam. Die Auswahl der Register einer Orgel ist eine Kunst, die nur allzu oft vernachlässigt wird und zu Standardklängen führt, die der Musik nicht gerecht werden. Davon konnte bei Michiels nicht die Rede sein. Ebenso restlos überzeugend war seine Interpretation des ersten und dritten Satzes aus der dritten Sinfonie von Louis Vierne.

Schwachpunkt: Bassleistung der Orgel



Auch hier zeigte sich ein exzellenter Musiker, der bestens mit der Notenvorlage umzugehen verstand, wenn auch sein Spiel zwei Schwachpunkte aufzeigte. Zum einen sollte man dieses großartige Werk nicht zerstückeln, sondern zur Gänze darbieten, weil sich erst dann der volle Glanz entfalten kann. Zum anderen fehlt es der Orgel der Prümer Basilika an dem gravitätischen Bass, der dieser Musik gerecht wird. Ein Mangel, der schon häufiger hörbar wurde, hier aber besonders zutage trat. Trotzdem war es ein Konzert, das lange in Erinnerung bleiben wird.

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