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Vinyl der Woche: Am Tag als Conny Kramer starb – Juliane Werding​

Vinyl der Woche: Am Tag, als Conny Kramer starb – Juliane Werding : Lebe Peter

Vor 50 Jahren eroberte Juliane Werding die deutschen Charts – mit der Geschichte eines Freundes, dessen Leben viel zu früh endete.

Falls Sie sich die Frage schon mal gestellt haben: Ja, es gab ihn wirklich. Den Jungen, den wir alle als Conny Kramer kennen. Nur Conny hieß er nicht. Wie mehrere Medien seit Jahrzehnten berichten, hieß er Peter. Bekannt auf der Straße nur als „Lebe Peter“. Egal, wie der Junge hieß – seine Geschichte ist dramatisch. Und macht Juliane Werding vor 50 Jahren zum Star.

Denn Peter war tatsächlich ein Freund der damals 15-jährigen Sängerin. Ungefähr gleiches Alter, ungefähr gleiches Interesse daran, gemeinsam verschiedene Drogen auszuprobieren. Der entscheidende Unterschied: Peter konnte nicht aufhören. Alles soll mit Marihuana angefangen haben. Als Peter dann jedoch auch LSD und Heroin (wie auch von Juliane Werding besungen) genommen haben soll, schafft er den Absprung nicht mehr. „Doch aus den Joints, da wurden Trips, Es gab kein Halten auf der schiefen Bahn...“, Sie kennen diese Zeilen vielleicht. Es gab kein Halten mehr, „Lebe Peter“ starb mit nur 15 Jahren.

Er soll damit zum ersten Drogentoten Essens geworden sein, berichtet unter anderem das Medium „der Westen“. Jenes Portal zitiert auch den damaligen Drogenfahnder Wilfried Goldmann, der 2011 in Rente ging. 41 Jahre lang kämpfte er zuvor gegen Drogenmissbrauch in Essen. „Deutschlands dienstältester Drogenabhängiger“ (so bezeichnet er sich selbst), war auch am Fall von „Lebe Peter“ beteiligt. „Er war mein erster Drogentoter“, sagte Goldmann später über den 15-Jährigen. Der Fahnder konnte ihn nicht retten, andere jedoch schon – teilweise dadurch, dass er sie einbuchtete und damit von den Drogen wegnahm.

Juliane Werding orientierte sich mit der Coverversion von The Night They Drove Old Dixie Down deutlich an einer Version, die Joan Baez ein Jahr zuvor veröffentlicht hatte. Werding erreichte Platz eins der Charts, verkaufte über eine Million Singles. Und ging weiterhin zur Schule, wo sie zunächst ihre Mittlere Reife und dann in zwei Jahren ihren Abschluss auf der Handelsschule in Bottrop ablegte. Die kommenden 30 Jahre arbeitete sie als Musikerin, veröffentlichte 22 Alben. Und zog sich irgendwann dann doch zurück.

2009 hing sie die Gitarre an den Nagel und begann in Starnberg in einer Praxisgemeinschaft als Heilpraktikerin zu arbeiten – den Beruf, den sie 1985 gelernt hatte.

Ob Juliane Werding ohne den Tod ihres Freundes jemals diesen riesigen Erfolg gehabt hätte? Müßig, darüber zu diskutieren. Ich wollte Ihnen ja auch eigentlich nur erklären, dass es „Lebe Peter“ wirklich gab.