Vinyl der Woche: Atom Heart Mother von Pink Floyd wird 50 Jahre alt

Vinyl der Woche: Atom Heart Mother - Pink Floyd : Vom erstaunlichen Pudding zum nuklearen Herzschrittmacher

Vor 50 Jahren veröffentlichte Pink Floyd die Platte Atom Heart Mother. In der Serie Vinyl der Woche geht es diesmal darum, warum der Titel des Albums aus reinem Zufall zustande kam und welchen Zweck die Kuh auf dem Cover hat.

Juni 1970. Auf dem „Bath Festival of Blues and Progressive Music“ in Shepton Mallet in England treffen sich Größen der Musik. Neben Frank Zappa, Santana und Led Zeppelin ist auch Pink Floyd zu Gast. Wegen einiger Verzögerungen zieht sich der Floyd-Auftritt bis 3 Uhr nachts. Da könnte man das Konzert ausklingen lassen. Oder man spielt aus dem Nichts die Premiere eines der besten Songs der Bandgeschichte.

Eine komplette Brass-Band und zwölf Chor-Stimmen zelebrieren zusammen mit den britischen Rock-Meistern ein 24-minütiges Meisterwerk. Es trägt den Arbeitstitel The Amazing Pudding – und begeistert. Einen Monat später möchte der heute legendäre Radio-Moderator John Peel das Stück in seiner Sendung spielen. Er hat nur den Arbeitstitel, fragt nach einem richtigen Namen.

Floyd-Sänger Roger Waters und der maßgeblich an der Produktion beteiligte Komponist Ron Geesin stoßen durch Zufall auf eine Titelzeile eines Berichtes im „Evening Standard“. In der Geschichte geht es um eine Frau, die mit einem nuklearbetriebenen Herzschrittmacher ausgestattet ist. Titelzeile: „Atom Heart Mother named“. Waters und Geesin nennen nicht nur das Titelstück Atom Heart Mother, sondern auch das Album. Warum? „Keiner wusste was es heißt, es hat sich einfach richtig angehört“, sagt Geesin später.

Der sechsteilige Song Atom Heart Mother ziert die komplette erste Seite der Platte. Text? Fehlanzeige. Bis auf zwei kleine Hintergrund-Aussagen („Ruhe im Studio“ und „Hier kommt eine wichtige Ansage“) lassen Pink Floyd und Ron Geesin die Musik sprechen. Beim ersten Hören überrascht der Song etliche Male. Geräuschfetzen hier, dann wieder Hammond-Orgeln oder die geniale David-Gilmour-Gitarre. Spätestens beim zweiten Hören entfaltet das Stück seine ganze Dramatik. Dabei war es für die Band selbst nichts Besonderes. „Einen Haufen Unsinn“, nennt Gitarrist David Gilmour die Platte.

Nichts Besonderes – genau das wollte die Band auch mit dem Cover ausdrücken. Durch die Vorgängeralben More und Ummagumma wurde Pink Floyd zum Ende der 60er-Jahre immer mehr in das Genre des Space-Rock gepresst. Aber Gilmour, Waters und Co. wollen sich nicht auf ein Genre definieren lassen. Weg vom Space-Rock. Ein einfaches Cover muss her. Der Designer Storm Thorgerson fährt auf ein Feld und fotografiert die erste Kuh, die er sieht. Das ist alles. Keine Schrift, kein Bandname, nichts. Nur eine Kuh auf einer Weide – die um die Welt geht und die heute – fast 50 Jahre später – unzählige Vinyl-Sammlungen schmückt.

Live-Tipp:  Nick Mason spielt mit „Saucerful of Secrets“ im „Atelier“ - wohl auch Auszüge aus Atom Heart Mother (19. Mai)