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Vinyl der Woche: Bocelli – Andrea Bocelli

Vinyl der Woche: Bocelli – Andrea Bocelli : Päpste, Präsidenten, Boxer

Ich melde mich aus Italien. Urlaub und so. Da braucht es natürlich auch eine Kolumne über einen Sänger aus diesem Land. Und da kann es nur einen geben.

Kommt, liebe Plattenfreunde. Werden wir mal wieder etwas persönlicher. Ich lasse dazu auch zum ersten Mal das „Sie“ weg und duze euch. Ganz schön frech, der junge Hochwälder, ne?

A propros Hochwald. In dem sitze ich – wie fast immer – als ich diese Kolumne tippe. Es ist Freitagmorgen (Sie ... äh, sorry ... ihr, werdet gleich verstehen, wieso ich so unaktuell schreibe). 1. April, kein Scherz, es schneit. Letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. Und diesmal gönne ich mir wirklich eine kleine Pause: Der erste Flug seit irgendwann vor Corona steht an. Luxemburg – Mailand. Paar Tage – hoffentlich – Sonne genießen. Bella Italia! Aber ich kann euch ja nicht ohne Kolumne stehen lassen. Aus aktuellem Anlass sprechen wir heute mal über einen Italiener.

Denn wenn die schon nicht bei der WM dabei sind (Ihr ahnt, es folgt der 15667. Italien-Gag), dann wenigstens in der Vinyl-Kolumne. Aber hm, wen nehmen wir denn da? Eros Ramazotti? Guter Typ, erinnert mich aber an ein ekliges Getränk. Gianna Nannini? Wenn ihr die sehen wollt, solltet ihr am 30. April in die Luxemburger Rockhal fahren. Alles irgendwie ... ich weiß nicht.

Ich hab‘s Andrea Bocelli! Aktueller Bezug, außer meines Italien-Trips? Mit seinem Album Bocelli stand er vor 25 Jahren auf Platz eins der deutschen Charts. 17 Wochen lang, nachdem er zuvor schon einmal ebenso lange dort platziert war (von wem er damals kurzzeitig verdrängt wurde, verrate ich am Ende des Textes. Ha! Cliffhanger nennt man das).

Wieso Bocelli? Weil der Mann voller Geschichten steckt. Beeindruckende wie traurige. Wenig ermunternd ist da die Sache mit seiner Blindheit, Bocelli wurde schon mit grünem Star geboren, als er dann mit zwölf Jahren vollkommen erblindete, hatte er bereits seinen ersten Gesangswettbewerb gewonnen. Ins Rollen kam seine Karriere 1992 dank Zucchero. Der wollte für das Lied Miserere eigentlich mit Luciano Pavarotti zusammenarbeiten, der jedoch absagte. Also entschied Zucchero sich für Bocelli, der ihn auf der folgenden Tour begleitete und sich dadurch einen Plattenvertrag angelte. Seine Karriere hätte er eigentlich schon 1994 beenden können, denn was will man als gläubiger Italiener mehr erreichen als für Papst Johannes Paul II. ein Weihnachtslied zu singen?

Aber er hörte nicht auf – im Gegenteil. Con te partirò machte ihn bekannt, sein Album Bocelli erreichte Platin. Danach widmete er sich nach und nach immer mehr der Oper, seiner Leidenschaft. Und: Er sang für oder mit den ganz Großen. Ein Auszug: Bill Clinton, George W. Bush, Papst Benedikt XVI., Henry Maske (ups, wie kam denn der in die Liste?!), verschiedene Königshäuser und Michael Jackson. Und: Er hat so ziemlich jeden an die Wand gesungen, der sich auf ein Duett mit ihm einließ. Das jüngste Beispiel ist Ed Sheeran (bei Gott, ich liebe seine Stimme) 2017 gemeinsam mit Bocelli seinen Song Perfect unter dem Titel Perfect Symphony veröffentlichte. Als Sheeran singt, denkt man: Wow. Als Bocelli anfängt, denkt man: Doppel-Wow.

So, genug von genialen Tenören geschrieben. Ich will euch nicht zu lange aufhalten. Gelogen: Ich will in den Urlaub, da bin ich ehrlich. Wenn ihr das lest, genieße ich Pizza und Espresso. Seid mir nicht böse. Ich mache es nächste Woche wieder gut.

P.S.: Es war U2.