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Vinyl der Woche: Born In The U.S.A. – Bruce Springsteen

Vinyl der Woche Born In The U.S.A. – Bruce Springsteen : Der missverstandene Boss

Mitte der Achtziger benutzt US-Präsident Ronald Reagan „Born In The USA“ vom „Boss“ Bruce Springsteen in seinem Wahlkampf. Und das, obwohl der Song mit der Politik Reagans abrechnet.

Was will Bruce Springsteen uns mit diesem Cover sagen? Da steht er, vor einer amerikanischen Flagge. Beziehungsweise, da steht weniger er, sondern sein Hintern. Die linke Hand ist zu sehen, die rechte  in einer etwas zweideutigen Pose vor der Hose versteckt. Der pinkelt doch auf die Flagge, oder?! Falsch verstanden.

„Falsch“ und „verstanden“: Es gibt keine zwei Worte, die Born In The U.S.A von Bruce Springsteen besser beschreiben. Angefangen beim genannten Plattencover, das 1984 einige Amerikaner auf die Palme bringt. Gut, dass der „Boss“ dem gleich entgegenwirkt und dem „Rolling Stone“ die Erklärung für die zweideutige Pose liefert: Für das Cover habe man viele Fotos von ihm gemacht. Das Bild mit seinem Hintern darauf habe besser ausgesehen als sein Gesicht. Die Verwirrung um den rechten Arm sei reiner Zufall. Keine versteckte Botschaft, also. Wer diese erkennt, hat das Foto falsch verstanden. Kann ja mal passieren. Auch einem US-Präsidenten?

Scheinbar, denn die nächste Fehlinterpretation führt uns zu Ronald Reagan. Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten benutzt den Song Born In The U.S.A. in seinem Wahlkampf. Wieso auch nicht, allein vom Titel her muss das ja eine patriotische Hymne sein, oder?

Falsch verstanden. Denn eigentlich ist der Song eine Abrechnung mit der Reagan-Regierung. Spring­steen erzählt die Geschichte eines Vietnam-Veteranen, der von der Gesellschaft fallengelassen wurde. Mehr noch, der eigentliche Songtitel sollte Vietnam lauten, weil er Teil des Soundtracks eines Paul-Schrader-Films werden sollte. Der Drehbuchtitel jenes Films heißt allerdings „Born In The U.S.A.“, Springsteen lässt sich inspirieren. Der Film erscheint 1987 als „Light Of Day“ – ohne Born In The U.S.A. als Soundtrack.

Dem Missverständnis sitzen neben dem Präsidenten  viele Hörer auf. Begünstigt wird es sicherlich von der euphorischen Musik – Springsteen schreit ins Mikro, dass er in der USA geboren sei – in Kombination mit dem kritischen Text. Dass er dabei auch nuschelt, hilft nicht wirklich. Kann man also mal falsch verstehen.

Sei’s drum. Dieser Song in Kombination mit noch heute radiotauglichen Liedern wie I’m On Fire und Dancing In The Dark machen Born In The U.S.A. zu Springsteens mit Abstand erfolgreichstem Album. An etwa 30 Millionen verkauften Einheiten gibt es nichts falsch zu verstehen. Christian Thome