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Vinyl der Woche Californication – Red Hot Chili Peppers: Das ist doch neu, oder?!

Vinyl der Woche: Californication – Red Hot Chili Peppers : Das ist doch neu, oder?! Ne, schon 20 Jahre alt

Manchmal hört man einen Song oder ein Album, schaut auf das Jahr der Veröffentlichung und ist schockiert, wie alt dieses schon ist. Eines dieser Alben ist Californication von den Red Hot Chili Peppers. Warum die Platte dennoch so klingt, als wäre sie gerade erst erschienen.

Pink Floyd. Marillion, George Harrison: Die Kolumne Vinyl der Woche war in ihren letzten Episoden vollgepackt mit Künstlern, die schon viele Jahrzehnte im musikalischen Kosmos unterwegs sind. Da sollte man mal was für jüngere Leser schreiben, dachte ich mir. Naja, dann machen wir mal Californication von den Red Hot Chili Peppers.

Und dann, ein böses Erwachen. Denn auch Californication ist schon 20 Jahre alt. Ach Gott, wie die Zeit vergeht. Genau darin liegt allerdings auch die Stärke dieses Albums: Hätte man jemanden die letzten zwei Jahrzehnte eingefroren und jetzt aufgetaut und ihm gesagt, dass das Album aktuell erschienen sei – er hätte es kaum bezweifeln können. Denn auch nach all’ den Jahren klingen Songs wie Otherside, Scar Tissue und Parallel Universe jung, erfrischend und zeitlos. Auch 2020 werden wieder Jugendliche auf Festivals auf das erfolgreichste Peppers-Album aller Zeiten tanzen, jede Wette. Otherside wird mit seinem „How long, how long will I slide?“ wieder zu lautem, teilweise extrem schiefem Grölen anspornen.

Nicht nur die Musik der Chili Peppers klingt wie neu. Auch die Texte haben nichts an Aktualität verloren. Nehmen wir zum Beispiel den Song Californication, der sich damit beschäftigt, dass die Welt immer oberflächlicher wird. Also ich persönlich kann nicht erkennen, dass sich das seit 1999 verbessert hat. Auf dem Album werden auch Arroganz (Get On Top), Drogenkonsum (Otherside) sowie Vergeben und die Rückkehr zu alten Freunden (Road Trippin’) thematisiert. Letztgenannter Song bezog sich auch auf Gitarrist John Frusciante, der die Band 1992 verlassen hatte, 1998 pünktlich zu Californication wieder zurückkehrte. Nachdem er die Peppers 2008 erneut verließ, kehrte er 2019 zur Band zurück.

All diese Themen gab es 1999 und die gibt es auch heute. Ob man sich nun alt fühlt, weil das Album schon zwei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, oder ob man es als Jungbrunnen betrachtet, weil es noch aktuell ist? Das ist jedem selbst überlassen. Vermutlich könnte ich diese Kolumne in 20 Jahren noch einmal genau so abdrucken.

In der Serie Vinyl der Woche beleuchtet der Trierische Volksfreund wöchentlich eine Schallplatte. Alle Serienteile finden Sie hier.