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Vinyl der Woche: Close to you – Maxi Priest

Vinyl der Woche: Close to you – Maxi Priest : Ein kleines bisschen 90er

Zugegben: Unter den absoluten 90er-Krachern hat Close to you von Maxi Priest keinen garantierten Platz. Für ’nen Playlist-Platz auf einer Party könnte es dennoch reichen. Und für eine Kolumne zum 60. Geburtstag des Schöpfers.

Corona-Schnelltestzentrum. Kopf nach hinten, Stäbchen in die Nase. Versuchen nicht zu niesen, während der Tester den Tupfer dreht. Nach dem Test-Akt erst mal den Kopf schütteln. „Puh, das war knapp.“ Das negative Ergebnis erhalten. Per App. Braucht man ja heutzutage. Ganz 2021. Ab in den Club. 30 Jahre Retrospektive. 90er-Party. Durch Corona verlernt haben, wie man tanzt. Es trotzdem tun. Blamieren gibt’s nicht. Sich wundern, wieso der DJ statt Mr. Vain, Scatman und Wannabe nun Close to you von Maxi Priest spielt. Ihn entschuldigen. Auch er hat länger nur vor Streams statt in Clubs aufgelegt. Eigentlich ein guter Mann. Und immerhin ist Close to you auch 90er. Noch besser: Bei Gedanken an die schlechten Dance-Moves Priests im Musikvideo die eigene Eingerostetheit vergessen.

Ach, kommen Sie. Seien wir ehrlich. Wir wollen nach Corona doch einfach wieder feiern. Egal zu welcher Musik. Fast. (Hier können Sie ihren persönlichen Hass-Party-Song einsetzen __________________). Wie auch immer: Wir wollen feiern, Maxi Priest hat was zu feiern. Denn am Donnerstag wird der Schöpfer von Close to you 60 Jahre alt.

Arbeiten wir die Dance-Moves kurz ab: Es gibt sicherlich schlechtere Tänzer als Maxi Priest. Aber von einem Reggae-Künstler mit jamaikanischen Wurzeln erwartet man irgendwie mehr als Klatschen-und-die-Hände-rollen sowie Hin-und-her-Gewippe.

Auf unserer angesprochenen 90er-Party reicht das, um sich zumindest nicht zu blamieren. Aber in einem Musikvideo? Ich weiß ja nicht. Was ich weiß: Close to you ist zweifelsfrei ein guter Song. Keiner der besten dieser Dekade, aber gut. Kein richtiger Reggae, sondern eher R&B-Pop. Ein Song, bei dem mein Fuß am Tisch mitwippt, wenn er bei Sauerbraten und Klößen im Radio läuft.

Auch der Text ist nicht ausgefallen, aber in Ordnung. Ein Mann liebt eine Frau, obwohl er weiß, dass sie ihm nicht guttut. Haben schon viele benutzt – geht immer. Auch die Entstehungsgeschichte ist unspektakulär. Priest fiel der Song einfach im Jeep ein, als er unterwegs zu seinen Songwritern Gary Benson und Winston Sela (der übrigens später ebenfalls 100% Emotional von den No Angels schrieb) war.

Alles Durchschnitt. Reichte 1990 jedoch für Platz eins der US-Charts. Und reicht heute (gerade so) für eine 90er-Party.

In der Kolumne „Vinyl der Woche“ stellt der Trierische Volksfreund wöchentlich eine Schallplatte vor – von Neuerscheinungen, über besondere Alben bis hin zu Klassikern. Alle Serienteile finden Sie hier.