1. Region
  2. Kultur

Vinyl der Woche: I Love Rock And Roll – Joan Jett & The Blackhearts

Vinyl der Woche: I Love Rock And Roll – Joan Jett & The Blackhearts : Emanzipation, 1981

An ihr scheiterten sogar die Verführerkünste von Steven Tyler: Vor 40 Jahren stand Joan Jett an der Spitze der US-Charts. Mit einem Song, den sie zwar nicht selbst geschrieben, aber mit einem kleinen Kniff entscheidend geändert hat.

Mitte der Siebziger. In London treten die Rolling Stones bei Top of the Pops auf. Mit im Gepäck: Ihr neues Album It’s Only Rock ’n Roll. Ebenfalls Mitte der Siebziger – klar, wir sprechen ja auch vom geichen Abend –, irgendwo in Großbritannien. Alan Merrill sieht die Show der Stones. Er, der Sänger der Band The Arrows, kennt Mick Jagger. Einige Male hat er ihn getroffen. Er weiß, dass Jagger zu dieser Zeit mit feinen Herren wie Prince Rupert Loewenstein (Sie kennen den Mann vielleicht unter seinem Spitznamen „Rupie the Groupie“), abhängt. Wobei abhängen ein etwas kleines Wort für das ist, was Loewenstein aus den Stones machte: Millionäre. Jahrzehntelang waren die Aufgaben klar verteilt: Die Stones liefern die Hits, Rupie macht sie zu Geld. Der Prinz ist immer piekfein gekleidet, die Stones sind Rockstars. Gegensätze ziehen sich an.

Doch Alan Merrill wird das Gefühl nicht los, dass It’s Only Rock ’n Roll eine Entschuldigung an diese feinen Herren sein soll, denen Rock sehr fern scheint. Also schreiben er und sein Bandkollege Jake Hooker den Song I Love Rock n Roll, der später (und vor heute 40 Jahren) in der Version von Joan Jett & The Blackhearts Platz eins der US-Charts erobert.

Für die Veröffentlichung hätten The Arrows keine schlechtere Zeit erwischen können. Als sie den Song 1975 in die Musikwelt gebären, streiken die Zeitungen in Großbritannien. Neue Songs erhalten damit nicht die Werbung, die sie brauchen. Auch eine Fehde mit der Plattenfirma sorgt dafür, dass der Titel es nicht in die Charts schafft – und schnell vergessen wird. Bis The Arrows in der Show Pop 45 auftreten, wo sie die Produzentin Muriel Young derart beeindrucken, dass diese ihnen eine eigene Sendung gibt. 14 Folgen „The Arrows“, ausgestrahlt in den Jahren 1976 und 1977.

Joan Jett ist zu dieser Zeit Sängerin der Frauen-Hard-Rock-Band The Runaways. Auch sie leiden unter fehlender Werbung, in den USA werden junge Frauen, die über Sex, Drogen und das Leben auf der Straße singen, nur selten gespielt. Joan Jett will mit der Band I Love Rock n Roll aufnehmen, doch wird überstimmt. Die Frauen mögen den Song nicht. Als sich die Band 1979 nach nur vier Jahren Band-“Geschichte“ trennt, widmet sich Jett erneut dem Arrows-Song. Gemeinsam mit Steve Jones und Paul Cook von den Sex Pistols nimmt sie eine erste Version auf, die auf einer B-Seite veröffentlicht wird. 1981 wiederholt sie das und nimmt I Love Rock n Roll mit ihrer neuen Band The Blackhearts auf. Zack, einer der erfolgreichsten Coversongs aller Zeiten ist geboren.

Die Joan-Jett-Version ist genau das: ein Cover. Ein verdammt gutes. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das legendäre Gitarrenriff (Sie kennen es, ich kann das jetzt hier nicht nachmachen), das charakteristische „YEAH ME!“, das in jeder guten Rockdisco mitgegrölt wird – alles schon bei den Arrows da gewesen. Auch der Text unterscheidet sich nicht.

Fast. Denn Joan Jett wendet einen kleinen, aber genialen Kniff an. In der Originalversion singen die Arrows aus der Sicht eines Mannes, der eine junge Frau sieht und mit nach Hause nimmt. Klassischer Rock-n-Roll-Move. I saw her dancin‘ there by the record machine heißt es im Original zum Start des Songs. Joan Jett macht aus dem „her“ ein „him“, dreht sie Szenerie um (jetzt reißt sie den Mann auf) – tada, Emanzipation im Jahr 1981.

Das mit der Emanzipation konnte sie übrigens schon immer. In seiner Biografie „Does the Noise in My Head Bother You?“ erzählte Aerosmith-Frontmann Steven Tyler, dass Jett die einzige Frau gewesen sei, die im jemals einen Korb gab. Er stand nackt vor ihr im Hotelzimmer, sie machte einen Witz über sein Gemächt, knallte die Tür zu. Befreundet sind die beiden bis heute.

In der Kolumne „Vinyl der Woche“ stellt der Trierische Volksfreund wöchentlich eine Schallplatte vor – von Neuerscheinungen, über besondere Alben bis hin zu Klassikern. Alle Serienteile finden Sie hier.