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Vinyl der Woche: I‘m a Believer – The Monkees

Vinyl der Woche: I‘m a Believer – The Monkees : Fake News

Vor 55 Jahren wurden The Monkees mit ihrem Hit I‘m a Believer weltbekannt. Einen wirklich großen Anteil hatten die vier jungen Männer daran jedoch nicht.

Wer wissen will, was im Filmbusiness passiert, der liest das Branchenblatt Variety. Seit mehreren Generationen. 1905 erschien die Erstausgabe des Magazins, das es geschafft hat, seinen Erfolg in die heutige Zeit zu retten. Indiz dafür sind unter anderem 1,2 Millionen Instagram-Follower (als Relation: Das sind mehr als BILD, Zeit und FAZ).

Aber eine Ausgabe der Variety bleibt in der Musikgeschichte besonders in Erinnerung: die des 8. September 1965. Nicht wegen des Covers, einer spektakulären Nachricht oder einer fesselnden Reportage. Nein, entscheidend ist eine Annonce. Gesucht werden „vier verrückte Jungs zwischen 17 und 21 Jahren“ für eine Serie über eine unbekannte Band und ihre Träume vom großen Erfolg. 437 Leser bewerben sich, vier werden ausgewählt: Micky DolenzPeter TorkMichael Nesmith und David „Davy“ Jones. Oder wie Sie sie vielleicht besser kennen: The Monkees, deren Song I‘m a Believer heute vor 55 Jahren auf Platz eins der deutschen Charts stand.

Musikalisch gibt es damals durchaus begabtere Jugendliche als The Monkees. Dass die vier Jungs bereits im Oktober 1965 einen Plattenvertrag erhalten, liegt vor allem daran, dass sie für die Serie gebraucht werden. Selbst der Bandname The Monkees richtet sich nach dem Titel des Drehbuchs der Serie. Die Sitcom läuft an, wird ein Erfolg, dadurch steigt auch die erste Monkees-Single Last Train to Clarksville auf Platz eins der US-Charts. Wobei „Monkees-Single“ übertrieben wäre, denn die vier Jungs konzentrieren sich nur auf den Gesang, während die Instrumentalparts von Studiomusikern eingespielt werden.

So auch bei I‘m a Believer. Der Chef des Labels,  Don Kirshner, zweifelt damals daran, dass die musikalischen Fähigkeiten der verrückten Jugendlichen ausreichen. Als talentierter sieht er den jungen Akustikgitarristen Neil Diamond an, der kurz zuvor mit Cherry, Cherry seinen ersten Hit verbuchen konnte. Auch I‘m a Believer wird von Diamond geschrieben, woraufhin er und Kirshner einen Deal eingehen: Der Song wird als Monkees-Hit vermarktet, im Gegenzug darf auch Diamond ihn selbst aufnehmen.

Neil Diamond nimmt also gemeinsam mit Schlagzeuger Buddy Salzman und Bassistin Carol Kaye die Monkee-Version auf. Fällt Ihnen etwas auf? Ich war ja immer schlecht in Mathe (habe ich glaube ich bereits das eine oder andere Mal erwähnt), aber drei der vier Namen sind nicht die derer, die sich auf die Variety-Annonce beworben hatten. Bleibt noch einer: Micky Dolenz. Er darf auf dem Song mitsingen, dessen Gesang jedoch später auch nur auf das Instrumentalplayback aufgespielt wird. Viel „Monkees“ steckt also in I‘m a Believer nicht drin.

Aber viel Erfolg. Innerhalb von zwei Tagen erreicht der Song, der auch vom Erfolg der Serie profitiert, Gold-Status. Im Jahr 1967 verkaufen die Monkees fünf Millionen LPs – mehr als die Beatles und Rolling Stones zusammen. Dass auf dem Cover die vier Variety-Monkees zu sehen sind, sind die vielleicht ersten Fake News der Musikgeschichte.