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Vinyl der Woche: In The Summertime – Mungo Jerry

Vinyl der Woche: In The Summertime – Mungo Jerry : Waschbrett, Weinkrug, Welthit

Vor 50 Jahren veröffentlichte Mungo Jerry „In The Summertime“. Wie der Song zum Verkaufsschlager wurde und wieso die damals unbekannte Band unter anderem Black Sabbath in den Schatten stellte.

Kennen Sie das? Sie liegen nachts im Bett, dösen schon leicht. Plötzlich schießt eine Idee durch Ihren Kopf. Sie haben jetzt zwei Optionen: rumdrehen, schlafen, die Idee am nächsten Morgen vergessen haben. Oder sie aufschreiben und umsetzen. Klare Empfehlung der Redaktion: Wählen Sie die zweite Möglichkeit.

Denn nur weil Ray Dorset, Frontmann von Mungo Jerry, sich 1968 nicht hinlegt und schläft, beschert er uns den wohl erfolgreichsten Sommerhit aller Zeiten: In The Summertime. Offiziell dreht sich diese Kolumne um das Album In The Summertime – da aber lediglich der gleichnamige Song den Durchbruch schaffte, konzentrieren wir uns auf ihn.

Also: 1968 sitzt Ray Dorset auf seinem Bett und hat die Idee zu In The Summertime. Er schreibt sie auf, packt sie in eine Schublade. Erst als er seine neue Band Mungo Jerry gründet, kramt er sie wieder heraus – denn der Song passt auf den Stil der Band wie die Faust aufs Blues-Auge.

Wahrscheinlich der Punkt, an dem man Mungo Jerry am leichtesten wiedererkennt: Sie kommen ohne Schlagzeuger aus und musizieren im Sitzen. Ihr Credo: Die Musik soll preisgünstig sein. Ein altes, verstimmtes Klavier, ein Waschbrett und ein Weinkrug sind nur drei Beispiele für „Instrumente“, die den Sound der Briten von anderen abheben und sie zu einer der erfolgreichsten Formationen der 1970er-Jahre machen. Ein weiterer Trumpf ist Sänger Ray Dorset, der aufgrund seines Bartwuchses und seiner Zahnlücke aussieht wie eine Mischung aus Abraham Lincoln und Freddie Mercury.

Vor einem halben Jahrhundert, im Jahr 1970, schafft es In The Summertime also aus der Schublade im Hause Dorset auf eine Platte. Nur einen Tag nach der Veröffentlichung treten die unbekannten Mungo Jerry beim Hollywood-Festival auf. 35 000 Menschen sind zu Gast – doch eher wegen Bands wie Black Sabbath und Grateful Dead. Die Band Mungo Jerry soll nur Lückenfüller sein, macht das Festival aber zu ihrer legendären Geburtsstunde. Denn Dorset & Co. begeistern die Menge mit ihrem außergewöhnlichen Stil und haushaltsüblichen Instrumenten. Mungo Jerry sind cool, das breite Zahnlückengrinsen des Sängers steckt an. Als die Zuschauer eine Band für einen Wiederholungsauftritt wählen können, fällt die Wahl nicht auf Grateful Dead oder Black Sabbath, sondern auf Mungo Jerry. Es ist der Beginn einer kurzen Erfolgsgeschichte, die besonders In The Summertime prägt. Der Song verkauft sich etwa 30 Millionen Mal, wird 28-mal gecovert. Unter anderem von Elton John, Fanta 4 und Shaggy. Gut, dass sich Ray Dorset 1968 nicht einfach hingelegt hat.

In der Serie Vinyl der Woche beleuchtet der Trierische Volksfreund jede Woche eine Schallplatte. Alle Serienteile gibt es unter volksfreund.de/vinyl