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Vinyl der Woche: Led Zeppelin III – Led Zeppelin

Vinyl der Woche: Led Zeppelin III – Led Zeppelin : Ruhe muss nicht immer gut sein ...

50 Jahre ist es, dass die britische Band Led Zeppelin ihr drittes Studioalbum veröffentlichte. Die Vorbereitung und Aufnahmen waren geprägt von jeder Menge Ruhe und Konzentration. Wieso das dem Album nicht guttut und die Platte dennoch einen guten Effekt hatte.

Wir schreiben das Jahr 1969. Led Zeppelin sind da, wo man als Band sein will: an der Spitze. Die ersten beiden Alben Led Zeppelin I und Led Zeppelin II erreichen sowohl in der britischen Heimat wie auch in den USA großen Erfolg. Für das Quartett reiht sich Tour an Tour. Europa, Nordamerika, dann wieder Europa – keine Zeit für Ruhe. Also entschließt sich die Band zu einer kleinen Pause – aus der das Album Led Zeppelin III entsteht.

Während sich Bassist John Paul Jones und Schlagzeuger John Bohnham in ihre neu erworbenen Anwesen zurückziehen, gehen Sänger Robert Plant und Gitarrist Jimmy Page noch einen Schritt weiter in die Entspannung: Das Songwriting-Team zieht sich in ein kleines Landhaus ohne fließendes Wasser in Wales zurück. Doch ganz ohne Musik geht es auch nicht. Plant und Page greifen auch abseits der Zivilisation zu Stift und Gitarre. An elektrische Gitarren ist im walisischen Landhaus allerdings nicht zu denken. Also muss die Akustik-Gitarre herhalten – mit einem Nebeneffekt.

Denn Robert Plant und Jimmy Page finden in Wales ihre Passion für Folk wieder. Eine alte Liebe, die auch in akustisch gehaltenen Songs wie That‘s The Way und Bron-Y-Aur Stomp resultiert, die den Weg auf das Album Led Zeppelin III finden. Der Titel des letztgenannten Songs geht auf den Namen der Hütte zurück: Bron-Yr-Aur – walisisch für „Goldener Hügel“.

Als sich die Band wieder zusammenfindet, starten die Aufnahmen zum Album in Headley Grange, einem 1795 errichteten Anwesen im britischen Hampshire. Dort zieht sich die Band – ähnlich wie vorher Plant und Page in Wales – zurück und konzentriert sich komplett auf das Album. Ein himmelweiter Unterschied zu den vorherigen Platten, die zu größten Teilen auf Tour und an verschiedenen Orten entstehen.

Daraus dürfte auch der klare Schwenk ins Ländliche einhergehen – mit dem die britische Musikpresse nichts anfangen kann. Die wirft Led Zeppelin vor, sich bei Folk-Fans anzubiedern. Auch Fans der vorherigen Alben reagieren irritiert – Led Zeppelin III ist vielen zu soft. Ein Punkt, an denen man ihnen wohl recht geben muss. Immerhin finden sich auch auf Led Zeppelin III harte Passagen. So etwa bei Immigrant Song, der zum Start ins Album Heavy-Metal-Input liefert – und der damit eine Erwartungshaltung schafft, die das Album nicht leistet.

Fazit: Led Zeppelin III ist anders als seine Vorgänger. Schwächer, ruhiger. Einfach nicht das, was Led Zeppelin ausmacht. Aber: Es ist der Grund dafür, dass die Band beginnt in Headley Grange zu arbeiten. Dort, wo Jimmy Page nur wenig später Stairway To Heaven schreibt. Alles in allem hat es sich also gelohnt.