1. Region
  2. Kultur

Vinyl der Woche Misplaced Childhood – Marillion: Danke, Kay Lee!

Vinyl der Woche: Misplaced Childhood – Marillion : Danke, Kay Lee!

Marillion? Das sind doch die von Kayleigh? Stimmt. Aber sie sind viel mehr als das – und haben mit Misplaced Childhood 1985 ein Werk geschaffen, das viel zu oft auf jenen Welthit reduziert wird. Wieso man das nicht tun sollte, davon handelt der nächste Teil der Serie „Vinyl der Woche“.

Schallplatten sind mehr als nur Tonträger. Liebhaber hängen sich die schwarzen Scheiben an die Wand, drapieren sie im Regal oder stellen sie auf den Schrank. Auf meinem Sideboard stehen fünf Platten. Eine, die dort nicht fehlen darf ist Misplaced Childhood von Marillion.

Und das nicht nur, weil Kayleigh einer der epochalsten Songs aller Zeiten ist. Misplaced Childhood (wie die Band an sich) werden oft auf diesen Song reduziert. Dabei ist das Album so viel mehr. Angefangen vom Cover, das auch 34 Jahre nach seinem Erscheinen im Jahr 1985 ein echter Hingucker ist.

Im Vordergrund ein Junge in Soldaten-Uniform, der eine Elster (die schon auf dem Vorgängeralbum Fugazi ihren Platz fand) auf der Hand hält, ein Regenbogen und Blumen, die aus dem Boden sprießen. Im Hintergrund dunkle Wolken, die zeigen, dass nicht alles perfekt ist. Schon hier wird ein Zwiespalt zwischen Optimismus und Depression deutlich, der sich durch das gesamte Werk zieht. Denn auch die Lyrik des in West-Berlin aufgenommenen Werkes schwankt zwischen diesen beiden Gefühlswelten.

Sänger Derek William Dick (bekannt als Fish) und seine Band haben ein Album geschaffen, dass auf 41 Minuten Gedanken, Erinnerungen und Gefühle sammelt, die Bezug auf die Kindheit und Jugend Fishs im schottischen Edinburgh nehmen. Besonders deutlich wird das in „Heart of Lothian“, einer Ode an jene Heimatstadt. In „Mylo“ erzählt Fish wie er auf einer Tour in Kanada vom Tod des befreundeten Schlagzeugers John Mylett (Rage) erfuhr. Und dann ist da natürlich „Kayleigh“, die in doppelter Hinsicht für den Erfolg des Albums verantwortlich war.

Denn hätte die reale Kayleigh (die eigentlich Kay Lee heißt) Fish nicht verlassen, als er zu sehr auf die Karriere konzentrierte, dann hätte dieser sich wohl nicht mit Drogen zugepumpt. Das, wie er selbst erklärte, „zehn bis zwölfseitige Konzept“ des Albums schrieb er während eines zehnstündigen Acid-Trips – und widmete den bekanntesten Song seiner Ex-Freundin. Musik-Liebhaber müssen ihr für diese Trennung danken.

Fish schenkte Kay Lee Jahre später ein Exemplar der Platte. Vielleicht steht dieses bei ihr auf dem Sideboard, wer weiß.