1. Region
  2. Kultur

Vinyl der Woche: Schallplatte "Wish" von The Cure

Vinyl der Woche: Wish – The Cure: : Freitags, da lieb‘ ich dich

Auch Rockstars haben Angst. So auch Robert Smith von The Cure, der sich – nachdem er Friday I‘m In Love geschrieben hatte – selbst ein Plagiat vorwarf. Warum das unbegründet war, lest ihr in unserem neuen Beitrag von „Vinyl der Woche“.

Liebe Kinder (wenn ihr das hier denn lest, beziehungsweise wenn eure Eltern/Omas/Opas euch lassen),

Falls ihr euch mal fragt, ob es schwach ist, Angst vor etwas zu haben, zum Beispiel Spinnen oder der verbotenen Abteilung in der Bibliothek in Hogwarts (heilige Makrele, da hab ich mir fast in die Hosen gemacht, als Harry Potter da nachts herumschlich): Denkt an Robert Smith. Kennt ihr nicht. Nicht schlimm, das war nicht eure Zeit vor 30 Jahren, als er mit seiner Band The Cure das Album Wish mit der Single Friday I‘m In Love veröffentlichte. Es war ja nicht mal meine Zeit, so jung bin ich.

Aber: Sie war erfolgreich. Und das, obwohl Robert Smith Angst hatte, als der Song fertig war. Aus mehreren Gründen. Zunächst der Anlass, den eure Eltern besser verstehen werden, weil sie The Cure kennen: Der Song mit seinen soften Gitarrenklängen und seinem liebestollen Text schien dem Sänger einfach zu harmlos. Keine tiefgründige Botschaft, keine dunklen und harten Gitarrenriffs.

Innerhalb von einer halben Stunde schrieb Robert Smith den Song und dachte nicht, dass er damit durch käme. Ist doch auch viel zu seicht, darüber zu singen, dass man eine Frau am Wochenende liebt, unter der Woche aber auf sie ... na ja, lassen wir das böse „s-Wort“, wir schreiben hier ja auch für Kinder. Doch der erwartete Shitstorm (auch wenn man das früher vermutlich eher „Kritik“ nannte, damals war es ja noch fundiert und nicht nur beleidigend) der Hardcore-Cure-Fans und der Musikpresse blieb aus. Angst hatte Robert Smith dennoch.

Denn der Rocker (der übrigens mal in Disneyland von Minnie Mouse nach einem Autogramm gefragt wurde – jetzt könnt ihr erahnen, wie bekannt der ist, liebe Kinder) warf sich selbst ein Plagiat vor. Wie er dem US-amerikanischen Musikmagazin NME 2008 erklärte, hatte er Angst, das Gitarrenriff des Songs unbewusst von jemandem gestohlen zu haben.

Er sei damals nahezu paranoid geworden, habe den Song immer wieder verschiedenen Kollegen vorgespielt und gefragt, ob sie ihn schon einmal gehört hätten. Die Antwort immer: Nö. Ich wurde übrigens in der Schule mal bestraft, weil ich abgeschrieben hätte, dabei haben mein Klassenkamerad und ich nur eine sehr ähnliche Version verfasst ... ich schwöre!

Bis heute ist Friday I‘m In Love der kommerziell erfolgreichste Song von The Cure. Hat sich also durchaus gelohnt, Angst zu haben. Was sich übrigens auch lohnt, liebe Kinder, ist sich den Song mal anzuhören. Fragt mal Mama und Papa, so schlimm ist der nicht.

Christian Thome