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Vinyl der Woche: The Genius Hits The Road – Ray Charles

Vinyl der Woche: The Genius Hits The Road – Ray Charles : Von der schrecklichen Kindheit zur Weltkarriere

Vor 90 Jahren wurde nicht nur Ray Charles geboren, sondern auch die Ursprungsversion eines seiner erfolgreichsten Hits. Wie die Soul-Legende zu Georgia On My Mind kam.

Georgia, 23. September 1930. In der Stadt Albany erblickt Raymond Charles Robinson, später nur noch bekannt als Ray Charles, das Licht der Welt. Im gleichen Jahr wird auch einer seiner erfolgreichsten Hits geboren: Georgia On My Mind. Anhand der Tatsache, dass Ray Charles – bei all seinem musikalischen Talent – nicht im Stande ist kurz nach der Geburt einen Welthit zu komponieren, lässt sich erkennen, dass er aus einer anderen Feder stammen muss. Dennoch: Bekannt wird Georgia On My Mind besonders durch Ray und sein Album The Genius Hits The Road.

Geschrieben haben den Song Hoagy Carmichael und Stuart Gorrell aus New York. Carmichael war Schauspieler, Entertainer und Songwriter. Gorrell ein Banker, der den Text beisteuerte. Wenn die Macher also aus New York stammen, wie kann es dann sein, dass sie einen Song über den US-Bundesstaat Georgia schreiben, der danach sogar zu dessen Hymne wird? Leichte Erklärung: Georgia On My Mind handelt (wohl) nicht vom Bundesstaat.

Zwar ist das bis heute nicht abschließend geklärt, doch ein Indiz gegen die Thematisierung eines Staates ist, dass Hoagy Carmichaels Schwester den Namen Georgia trug. Eigentlich ist aber auch egal, von wem der Song handelt – er ist wunderschön.

Ray Charles Kindheit ist alles andere als das. Mit neun Jahren erblindet er, nur wenige Monate nachdem er mitansehen muss, wie sein Bruder in einem Waschzuber ertrinkt. Als er 14 ist, stirbt seine Mutter. Doch genug schreckliche Kindheitserinnerungen.

Als Ray Charles – und der gleichaltrige Song – 30 sind, singt der „Hohepriester des Soul“ Georgia On My Mind im Auto. Sein Fahrer schlägt vor, den Song aufzunehmen. Ein Vorschlag, aus dem einer von Charles’ drei Nummer-eins-Hits entsteht (neben Hit The Road Jack und I Can’t Stop Loving You). Das Konzeptalbum The Genius Hits The Road, das verschiedene Teile der USA thematisiert, wird ein Erfolg. Ray Charles schafft es durch dieses Album endgültig, seine schreckliche Kindheit in eine Weltkarriere zu verwandeln.

In den nächsten Jahrzehnten wird Ray Charles zum wohl größten Soulmusiker aller Zeiten, stellt mit dem fünfmaligen Gewinn des Grammys für die beste R&B-Performance einen bis heute unerreichten Rekord auf.

2004 stirbt Ray Charles an Krebs. Bei der Grammy-Verleihung 2005 gewinnt er postum acht (!) Auszeichnungen. Der „Rolling Stone“ wählt ihn 2008 auf Platz zwei der besten Sänger aller Zeiten – hinter Aretha Franklin und vor Elvis Presley. Reicht das um zu zeigen, wie genial er war?