1. Region
  2. Kultur

Vinyl der Woche: The Way It Is – Bruce Hornsby and the Range

Vinyl der Woche: The Way It Is – Bruce Hornsby and the Range : Von Tupac, Ulla Meinecke und Oldenburger Basketballern

Hätte, hätte, Fahrradkette: Hätten Bruce Hornsbys Eltern ihren Sohn nicht ans Klavier gesetzt, wäre er vielleicht Basketballprofi geworden. Hätte er diesen Weg eingeschlagen, dann würde unser Autor wohl heute noch keine Pianoklänge mögen.

Auf die Gefahr hin, dass sich alle Pianisten von dieser Kolumne abwenden, hier ein Geständnis: Ich hatte nie etwas für Klavierklänge übrig. Irgendwie schien mir das immer zu altmodisch. Mittlerweile weiß ich, dass diese Einschätzung ein Kardinalsfehler war. Noch immer bin ich kein riesiger Piano-Fan, wenngleich mich das Instrument beeindruckt wie kein Zweites.

Ja, auch ich könnte gerne wie Annenmaykantereit-Sänger Henning May barfuß am Klavier sitzen und Menschen mit meiner Reibeisenstimme verzücken. Doch weder Finger noch Stimmbänder spielen da mit. Schade drum. Aber: Mittlerweile erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich beim Lesen eines guten Buches Klavierklänge auflege. Eine Entwicklung, für die vor allem Bruce Hornsby verantwortlich ist. Am 1. April vor 35 Jahren veröffentlichte er The Way It Is.

Wobei ... lassen wir Hornsby (Sorry, Bruce!) zunächst links liegen. Denn regelmäßige Leser dieser Kolumne (ich hoffe, dass es diese gibt ...) werden erkennen, dass die Gnade meiner späten Geburt dafür sorgt, dass The Way It Is mehr als zehn Jahre älter ist als ich. Mit den unverkennbaren Klängen am Anfang des Titels sympathisierte mich ein anderer: Tupac Shakur mit seiner Version Changes aus dem Jahr 1998.

Keine Angst: Ich habe nicht im Alter von drei Jahren Tupac gehört. Da galt meine Aufmerksamkeit eher Rolf Zuckowski. Aber einige Jahre später erwischte ich mich dabei, wie Changes auf einmal auf meinen MP3-Player rauf und runter lief. Ohne zu wissen, wer Tupac war. Ohne zu wissen, dass die Melodie nicht aus seiner Feder stammt. Ohne jemals den Namen Bruce Hornsby gehört zu haben.

Vielleicht hätte ich Hornsby früher kennen können. Denn der 1,93-Meter-Mann wollte ursprünglich Profi-Basketballer werden. Würde man ihn also heute in einer Reihe mit Scottie Pippen und Michael Jordan nennen, dann wäre mir sein Name wohl früher bekannt gewesen. So kam es nicht, weil Hornsbys Eltern den kleinen Bruce lieber vors Klavier setzten.

Etwas, das Bruce selbst bei seinen Kindern scheinbar anders plante: Sein Sohn Keith Hornsby hat es zum Profi-Basketballer geschafft. Klar, der 29-Jährige ist kein Michael Jordan (sonst würden Sie ihn sicher eher kennen), aber immerhin: Seit 2020 spielt er in der Basketball-Bundesliga bei den EWE Baskets Oldenburg.

Dennoch ist der bekannteste Hornsby weiterhin Vater Bruce. Seine Melodie, die mich zu Pianoklängen brachte, wurde etliche Male verwendet. Tupac als wohl bekanntester und bester Vertreter, versuchte sich auch Ulla Meinecke an einer Version. (Unter anderem) Die Tatsache, dass sie das Klavier durch Gitarren ersetzte, macht ihre Version jedoch fast unhörbar.

Liebe Pianisten, bleibt mir treu!

In der Kolumne „Vinyl der Woche“ stellt der Trierische Volksfreund wöchentlich eine Schallplatte vor – von Neuerscheinungen, über besondere Alben bis hin zu Klassikern. Alle Serienteile finden Sie hier.