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Vinyl der Woche: Trio – Trio

Vinyl der Woche: Trio – Trio : Schwere Geburt

Fast ein Jahrzehnt lang versuchten Dolly Parton, Linda Ronstadt und Emmylou Harris ein gemeinsames Album aufzunehmen. Vor 35 Jahren funktionierte es dann als „Trio“ endlich.

Es gibt diese wirklich ungünstige Konstellation in der Liebe, vielleicht kennen Sie sie. Zwei Menschen lieben sich. Wollen sich. Umgarnen sich. Doch zusammen sein können sie nicht. Warum auch immer. Vielleicht lebt sie am anderen Ende der Welt, der Vater der Braut mag ihn nicht, oder ... wie es in Rote Rosen, Sturm der Liebe oder anderen Seifenopern ist: Sie sind verwandt (abgesehen davon, dass sich in diesen Fällen entweder herausstellt, dass sie, oh Schock!, doch nicht verwandt sind, oder sie einfach doch zusammen kommen und durchbrennen).

Dolly PartonLinda Ronstadt und Emmylou Harris waren nicht verwandt. Auch geliebt haben Sie sich – meines Wissens nach – nicht. Die Entfernung war‘s auch nicht und wie die Väter der drei Country-Stars zueinander stehen, kann ich nicht beurteilen. Dennoch dauert es fast zehn Jahre, bis sie endlich ein gemeinsames Album aufnehmen können. Heute vor 35 Jahren ist es dann endlich passiert: Es gibt eine neue Supergroup am Musikhimmel: Trio! Inklusive gemeinsamem Album: Ebenfalls Trio!

Dass sie wollen, und hier schlagen wir jetzt ganz gekonnt die Brücke zur Liebe, daran besteht nie ein Zweifel. Immerhin sind sie befreundet, alle drei absolut begnadete Musikerinnen und arbeiten immer wieder an gemeinsamem Material. Eines der Probleme: Parton, Ronstadt und Harris sind bei verschiedenen Labels unter Vertrag. Und bei einem Projekt, das als Gelddruckmaschine prädestiniert ist, will natürlich jeder mitverdienen.

Auch die Zeit lässt es irgendwie nicht zu. Ist wohl nicht so leicht, drei Country-Stars terminlich unter einen Hut zu bekommen, welch‘ Wunder.

So vergehen die Jahre. Immer wieder haben die drei Granden gemeinsame Ideen. Einzig: Zusammen aufnehmen dürfen sie diese nicht. Also landen die Werke auf Einzelalben. Mr. Sandman landet auf Harris‘ 1981er-Album  Evangeline, My Blue Tears 1982 auf Get Closer von Linda Ronstadt und Palms of Victory auf dem Harris-Boxset  Songbird: Rare Tracks and Forgotten Gems (2007).

1986 dürfen Parton, Ronstadt und Harris endlich zusammen arbeiten. Knapp ein Jahr werkeln sie am Album, produziert wird dieses von George Massenburg, der zuvor vor allem für Linda Ronstadt gearbeitet hatte. Nun ist es bei solchen Star-Kollaborationen schwierig, alle Künstler zur Geltung kommen zu lassen. Meist entsteht daraus ein „okayes“ Album, das jedoch nicht an die Einzelwerke herankommt (ich erinnere dabei zum Beispiel an die Hollywood Vampires, bestehend aus Alice Cooper, Joe Perry und Johnny Depp, pfui Deiwel!).

Kurz gesagt: Bei Trio funktioniert das. Wer kann, der kann. Selten war Country schöner.

In der Kolumne „Vinyl der Woche“ stellt der Trierische Volksfreund wöchentlich eine Schallplatte vor – von Neuerscheinungen, über besondere Alben bis hin zu Klassikern. Alle Serienteile finden Sie unter hier.