Vinyl der Woche: Codo … düse im Sauseschritt – DÖF Von Kometen und Raumfahrern

Serie · „Komet“ von Apache 207 und Udo Lindenberg nervt unseren Autor tierisch. Aber eines muss man dem Song lassen: Er ist wahnsinnig erfolgreich. Und hat so manche Parallele zu einer Legende.

DÖF - Codo … düse im Sauseschritt

DÖF - Codo … düse im Sauseschritt

Foto: WEA

Es war eine schlimme Woche. In meinem heimischen 260-Einwohner-Dorf fand das Zeltlager der Jugendfeuerwehren des Kreises Trier-Saarburg statt. Mehr als 500 Kinder hatten eine super Zeit, viele Helfer anstrengende Tage (und den einen oder anderen harten „Tag danach“ ...). Was daran jetzt schlimm gewesen sein soll? Ein Komet. Keine Angst, der ist nicht mitten im Hochwald eingeschlagen (hätten Sie, Sie lesen ja diese Zeitung, auch mitbekommen). Er lief nur rauf und runter über die Lautsprecher: Ein Song von Rapper Apache 207 mit Altstar Udo Lindenberg. Wahnsinniger Ohrwurm. Ist für mich wie Pommes: Eigentlich gut gemacht, aber wenn ich Sie jeden Tag esse, ekelhaft.

Was er aber auch ist: Der erfolgreichste Song der deutschen Hitparaden-Geschichte. Insgesamt 19 Wochen standen Apache 207 (den Namen soll ihm übrigens seine Mutter gegeben haben, weil er aussehe wie ein Indianer – ist das kulturelle Aneignung?) und der ewige Udo an der Spitze der Charts. Mehr als jeder andere deutsche Superhit. Vom Thron gestoßen haben die beiden Verdammt ich lieb‘ dich, Despacito und Rivers of Babylon.

Wenn der Hit so erfolgreich ist und es so viel zu sagen gibt, wieso trägt die Kolumne dann nicht seinen Titel? Ganz einfach: Unter den Songs, die am längsten auf Platz eins der Charts standen, taucht auch ein Name auf, der Geburtstag feiert. Vor 40 Jahren düsten DÖF im Sauseschritt auf die Eins.

Codo … düse im Sauseschritt und Komet haben eines gemeinsam: ihr Erfolgsgeheimnis. Die Produzenten spielen beim aktuellen Chartstürmer bewusst damit, dass junge Menschen Apache 207 feiern, erfahrenere Hörer Udo Lindenberg lieben. So kennt jeder was und jeder hört mal rein. Ähnlich machten es auch DÖF vor 40 Jahren, als sie sich die schon bekannte Annette Humpe als Produzentin an die Seite nahmen. Deren Band Ideal hatte sich gerade aufgelöst – Annette brachte kurzerhand ihre Schwester Inga mit, die den Refrain singen sollte.

Ideal für die beiden Kabarettisten Josef Prokopetz und Manfred Tauchen (also DÖF, für Deutsch-Österreichisches Feingefühl). Gemeinsam schrieben sie einen der bekanntesten Songs der Neuen Deutschen Welle. Dieser handelt vom raumfahrenden Sternenbewohner Codo (thematisch wieder eine Ähnlichkeit zu Komet). Er bringt gegen den Widerstand des „Herrn des Hasses“ die verbotene Liebe auf die Erde. Codo wird im Musikvideo von Inga Humpe gespielt, die dabei ein Glitzerkostüm trägt.

Wie bei vielen NDW-Songs, kam auch dieser nicht ohne Plagiatsvorwürfe aus. Annette Humpe soll die Melodie des Songs Küss mich und lieb mich, geschrieben von Holger Biege für Gerd Christian, kopiert haben. In erster Instanz wurde Biege Recht gegeben, nach Berufung lehnte er in zweiter Instanz einen Vergleich ab.

Apropos Vergleich: Ich bin ehrlich, Komet ist rein musikalisch der bessere Song. Aber er nervt mich! Christian Thome