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Virtuos und transparent

Virtuos und transparent

Kammermusik für Streicher: Werke von Dvor{cech}ák, Kodály und Bruckner standen am Samstag im Kloster Karthaus auf dem Programm. Dozenten und Stipendiaten bescherten dem Publikum ein eindrucksvolles Erlebnis.

Konz-Karthaus. Antonín Dvor{cech}áks "Drobnosti" (Miniaturen) sind nach Aussage des Komponisten zwar "mehr für Dilettanten gedacht", aber das heißt ja noch lange nicht, dass sie nur von ebensolchen aufgeführt werden dürfen. Das Konzert der Stiftung Villa Musica am Samstag im Kloster Karthaus jedenfalls war, um es gleich vorwegzunehmen, alles andere als dilettantisch, sondern ein meisterlich dargebotenes, eindrucksvolles Erlebnis.
Den Part der 1. Violine übernahm dabei Eszter Haffner, Professorin in Graz und Villa-Musica-Dozentin. Ihr zur Seite standen zwei junge Stipendiaten: an der 2. Violine die in Saarbrücken, Frankfurt und Salzburg ausgebildete Argentinierin Sofía Roldán Cativa und an der Viola der gebürtige Berliner Friedemann Jörns. Gemeinsam zeigten sie, wie auch ein vergleichsweise leichtes Stück einen großen Reiz entfalten kann.
Beim zweiten Werk waren dann die beiden Dozenten unter sich: neben Eszter Haffner Tamás Varga, Solocellist der Wiener Philharmoniker. Das Duo op. 7 von Zoltán Kodály ist zwar inspiriert von bäuerlicher Musik aus Ungarn, stellt aber in Technik und Ausdruck hohe Ansprüche an die beiden in einen Dialog, geradezu in einen virtuosen Wettstreit tretenden Musiker.
Hauptwerk des Abends: Anton Bruckners Streichquintett F-Dur. Es ist, abgesehen von einigen frühen Versuchen, das einzige kammermusikalische Werk des Österreichers - aber was für eines. Bisweilen wird es auch als "verkappte Sinfonie" bezeichnet. So erinnert beispielsweise der Schluss durchaus an ein Finale von Bruckners monumentalen sinfonischen Werken. Die fünf Interpreten - zu den vier genannten gesellte sich hier noch Cristina Alvarado, geboren in Venezuela, ausgebildet in Freiburg, mit ihrer Viola hinzu - gestalteten solche Passagen mächtig und klangvoll, ohne erdrückend zu wirken, sondern immer transparent.
Und natürlich ist das Quintett - entgegen dem Vorurteil über weite Strecken Kammermusik par excellence - mit tänzerischer Leichtigkeit, lyrisch-gesanghaften Elementen und fugenhaft polyphon durchgeführten Melodien, präzise herausgearbeitet und umgesetzt von den Musikern. Von den gut 100 Besuchern gab es schließlich langanhaltenden Applaus für einen hochkarätigen Konzertabend. daj