Virtuosität und Einsatzfreude

Virtuosität und Einsatzfreude

HIMMEROD. Eine fast vollbesetzte Abteikirche bildete die Kulisse für die Zisterziensernacht 2006 im Kloster Himmerod. Mit Orgel- und Chormusik, sowie mit Lichtgestaltung und Gemälden geriet sie zu einem vielfältigen Kunsterleben.

In der Orgelmusik misst sich alles an den Werken von Johann Sebastian Bach. Wer dessen Kompositionen überzeugend darstellen kann, bei dem braucht man sich um den Erfolg eines Konzertes keine Sorgen zu machen. In der Zisterziensernacht in der Abtei Himmerod eröffnete der aus St. Petersburg stammende Organist Daniel Zaretsky den konzertanten Abend mit Bachs Präludium und Fuge C-Dur, BWV 545, und dem Choralvorspiel "An Wasserflüssen Babylon", BWV 653, und machte sehr schnell klar, dass zumindest der erste Teil des Abends nur ein Erfolg werden könnte. Zaretsky gestaltete sein Spiel mit allem, was die Musik spannend, lebendig und überaus hörenswert machte, wahrte dabei die Stiltreue und die interpretatorischen Gesetze, die für die barocke Musik unumstößliche Gültigkeit haben. Aber auch mit Max Regers Benedictus, Opus 59/9 und der d-Moll Toccata, Opus 59/5 sowie mit den Kompositionen seiner Landsleute Georgij Muschel und Christophor Kuschnarew wusste er zu überzeugen. Uraufführung eines Oratoriums

Maurice Duruflé und Jehan Alain bildeten den Mittelteil seines Konzertbeitrages. Hier dokumentierte der Interpret sein intensives Studium der französischen Tonsprache und sein überaus großes Geschick, mit der Himmeroder Orgel zu arbeiten. Daraus folgte, das insbesondere Alains Litanies zu einem Hochgenuss wurde. Den zweiten Teil des Abends bildete die Uraufführung des Oratoriums "Benedictus" von Florian Zintzen; Ausführende waren der Jugendchor der Musikschule Aachen, der gemischte Chor "Nota Bene" und der Männerchor "Bin Singen", beide ebenfalls aus der Kaiserstadt. Für den Orgelpart war Angelo Scholly zuständig. Besonders unter dem Gesichtspunkt, dass sich die Chöre aus Laienmusikern rekrutierten, muss man ihnen ein gewaltiges Kompliment machen. Zintzen forderte viel von seinen Sängern und sie meisterten ihre Aufgaben auf einem qualitativ sehr hohem Niveau. Über eine Stunde füllten sie die Abteikirche mit kompositorisch anspruchsvollen Chorsätzen, mit einer Intonation, die beeindruckte, und vor allem mit großer Einsatzfreude. Zintzens Werk als solches konnte dieses Niveau leider nicht erreichen. Zweifellos, er ergab sich nicht in das Genre des vielgelobten, aber häufig doch sehr seichten neuen geistlichen Liedes. Aber es fehlte dem Opus an Lebendigkeit, an Einfallsreichtum. Der zündende Funke, den man eigentlich vom Lobgesang des Zacharias über die Geburt seines Sohnes erwarten konnte, fehlte. Beeindruckend hingegen waren die acht Gemälde der Aachener Künstlerin Edeltrud Schmitz-Kerpen.

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