Volles Haus beim Theaterfest in Trier. Martin Folz wird ausgezeichnet.

Kultur : Volles Haus bei Theaterfest in Trier - Chordirektor Martin Folz ausgezeichnet

So war es bei der Theater-Gala: Jede Menge Unterhaltung, Appetithappen aus dem Spielplan und wieder eine Preisverleihung.

„…and the winner …“ sitzt mit dem Rücken zum Publikum und ist sichtlich gerührt. Er mag sich gar nicht in die Mitte der Bühne bewegen, wo eine Abordnung seiner jugendlichen Mitstreiter längst in Jubelrufe ausgebrochen ist, unterstützt vom Publikum in einem völlig überfüllten Theater. Die Theatermaske 2019 geht an den gerade als Chordirektor in Amt und Würden gehobenen Martin Folz samt seinem Kinder- und Jugendchor. Regelrecht rekordverdächtig: Damit hat er die Auszeichnung noch schneller bekommen als Barack Obama, der immerhin neun Monate im Amt war, ehe er den Nobelpreis erhalten hat.

Martin Folz also. Der Mann, der unbestreitbar frischen und sehr jugendlichen Wind durch das Haus am Augustinerhof pustet und mit „seinen“ Kindern Zukunftsarbeit leistet, wie ihm Hausherr Manfred Langner bestätigt: Wenn nur jedes zweite, dritte oder gar vierte Kind bei der Kunst bleibt, braucht man um deren Zukunft keine Angst zu haben, sagt der Intendant.

Die Verleihung der Theatermaske (nominiert waren außerdem Stephanie Theiß, Carl Rumstadt, Dimetrio-Giovanni Rupp und Ballettchef Roberto Scafati, jede(r) auf seine Weise auch eine Nummer eins), war Glanz- und Höhepunkt eines knapp achtstündigen Theaterfestes, bei dem die Künstler aller Sparten (und die unsichtbaren Helfer hinter den Kulissen) dem Publikum – im Laufe des Tages konnten es durchaus 3000 Besucher gewesen sein, die gastlich hier zusammenkamen – zeigten, zu was sie in der Lage sind. Und wie bereits im vergangenen Jahr, zu dessen Beginn Manfred Langer als Retter des Theaters gefeiert wurde, schwammen er und seine Mitstreiter auch dieses Mal auf einem Tsunami der Sympathie. Die Stimmung war bombig, auch wenn das Essen irgendwann ausging (nächstes Jahr bitte doppelt so viele Bratwürstchen und Schwenker einplanen!), aber vom knurrenden Magen konnte etwa Connie Hain mit ihrer Band ablenken, die das Foyer mit Ohrwürmern flutete und schließlich mit dem Abba-Titel „Thank you for the music“ zum Toben brachte.

Bei den Führungen durchs Labyrinth (die Karten dafür waren in Nullkommanix weg) begegneten den Zuschauern Jogi Löw, Udo Lindenberg und Helge Schneider in Gestalt von einem enorm wandlungsfähigen Paul Behrens sowie einem furchteinflößenden Paul Hess mit einem kafkaesken Monolog aus Borcherts „Draußen vor der Tür“, wozu die engen Katakomben unterm Theater (nichts für Klaustrophobiker!) ein gruseliges Ambiente lieferten. Auf der musikalischen Seite gestand Derek Rue mit schöner Stimme und Ukulele „Can’t help fallin‘ in love“, Karsten Schröter brachte als Sarastro mit „Isis und Osiris“ ein Kellergemach fast zum Einsturz, und feuchte Augen konnte man bei Luiza Braz Batistas, Fernando Gelafs und Mohamed Kusharis „Nosotros“ bekommen, ein Lied des kubanischen Komponisten Pedro Junco, mit dem er sich, gerade 23 Jahre alt, sterbend von seiner Geliebten verabschiedet hat.

(TV-Foto: Dirk Tenbrock). Foto: Dirk Tenbrock
(TV-Foto: Dirk Tenbrock). Foto: Dirk Tenbrock

Weniger melancholisch ging’s derweil im Foyer zu, wo Theaterrequisiten (dank der auktionatorischen Talente von Barbara Ullmann und Jan Walter) zu Toppreisen unters Volks gebracht wurden. Es gab Kinderschminken und Kostümproben, Salsa-Tanz und Lesungen und, während keiner was Böses ahnte, einen regelrechten Flashmob im Foyer. Da mischten sich unvermittelt Sänger sowie Theater- und Kinderchor aus dem ersten Akt von „La Bohème“ unters Feiervolk und trieben das ohnehin schon unübersichtliche Gewusel auf eine neue Spitze. In geordneten Formen dann die eigentliche Gala mit Kostproben vom kommenden Spielplan (und einem Moment des Gedenkens an die jüngst verstorbene langjährige Harfenistin Regina Israel), den Carl Rumstadt und Janja Vuletic launig-selbstironisch moderierten, wenn sie nicht gerade selbst mit der Darbietung von Gesangskostproben beschäftigt waren. Wenn die Spielzeit so erfolgreich wird wie dieser Abend, können sich alle Mitwirkenden auf die Schulter klopfen.

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