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Vom Augustinerhof bis an die Met

Vom Augustinerhof bis an die Met

Neben Franz Grundheber gibt es eine Reihe von Opern-Stars, deren Weltkarriere einst in Trier ihren Anfang nahm. Die Liste ist zwar unvollständig und birgt doch Überraschungen.

Barbara Dobrzanska als "Madame Butterfly". Foto: TV-Archiv/Theater Karlsruhe

Trier Wenn am 17. September Wagners "Der fliegende Holländer" im Trierer Theater als halbszenische Aufführung auf die Bühne kommt, wird es ein Wiedersehen und -hören mit dem wohl berühmtesten Trierer Gesangskünstler, Franz Grundheber, geben, der Regie führt und die Titelrolle singt. Der in Trier-Biewer geborene Bariton hat bekanntlich eine Weltkarriere gemacht, kehrt aber regelmäßig in die Heimat zurück. Aber auch andere Weltstars haben zu Beginn ihrer Karriere schon in Trier gesungen.
Als die große Sopran-Diva Diana Damrau vor einigen Tagen nach ihrem Liederabend in der Luxemburger Philharmonie triumphal gefeiert wurde, wussten die wenigsten im Publikum, dass die wohl beste Deutsche in ihrem Fach schon vor 15 Jahren beim Mosel Musikfestival (MMF) im Kurfürstlichen Palais aufgetreten ist und bereits im Jahr 2000 die Euridice mit dem Trierer Konzertchor gegeben hatte. Denkwürdige Abende, wie sich MMF-Intendant Hermann Lewen und einige Zeitzeugen erinnern.
Der momentan strahlendste Held am lyrischen Tenor-Himmel, der Münchner Jonas Kaufmann, erinnert sich gar besonders gern an sein Gastspiel in Trier, wie er 2012 in einem Interview betonte. Intendant Heinz Lukas Kindermann (der im Mai 2018 in Trier die "Zauberflöte" inszenieren wird) holte den damals 27-Jährigen für die Uraufführung von Antonio Bibalos Oper "Glasmenagerie" (nach Tennessee Williams) ins Haus am Augustinerhof. Nachdem Kaufmann sein festes Engagement am Staatstheater Saarbrücken nicht verlängert hatte, war diese Produktion der Start einer Solo-Karriere, die ihn bekanntermaßen bis an die New Yorker Met, die Mailänder Scala und an die Spitze der CD-Charts führte. Die Kritik war begeistert vom jungen Tenor, die Oper selbst wurde recht zwiespältig besprochen.
Gerhard Siegel war von 1993 bis 1995 unter Intendant Petersen im Trierer Ensemble, auch der Buffo-Tenor begann hier seine außergewöhnlich erfolgreiche Laufbahn, die auch ihn über Dessau und Nürnberg an die größten Opernhäuser weltweit führte, vor allem aber auf Bayreuths grünen Hügel. Als Alberichs Bruder Mime in Wagners "Nibelungen" gilt der von der Kritik gefeierte Siegel als weltbeste Besetzung, sein Herodes in der "Salome" ist eine andere Paraderolle. Zur Weihnachtszeit wird er an der Met die Hexe in "Hänsel und Gretel" (Humperdinck) geben.
Zwei weitere Damen, die ebenfalls eine beachtliche Karriere gemacht haben, dürfen hier nicht unerwähnt bleiben: Die US-amerikanische Mezzo-Sopranisten Diane Pilcher, die seit den 1980er Jahren in Trier lebt und ebenfalls im Theaterensemble engagiert war, sang schon bei den Salzburger Festspielen die Annina ("La Traviata") an der Seite von Anna Netrebko und Rolando Villazon. Auch die Polin Barbara Dobrzanska brillierte als lyrische Sopranistin von 1995 bis 2000 in Trier und ist nun schon lange am badischen Staatstheater Karlsruhe engagiert. In der berühmten Semperoper zu Dresden gastiert sie noch in diesem Jahr als Marta in "Die Passagierin" und in "Carmen". Ein Ausflug, der sich für ihre noch zahlreichen Trierer Fans sicher lohnen wird. Dieter Lintz, der 2014 verstorbene Leitende Redakteur des TV, schrieb jedenfalls schon 2004: "Die Abwesenheit von jeglichem Diven-Gehabe steht der ganz großen Karriere vielleicht ein bisschen im Weg."
Tobias Scharfenberger, der designierte Intendant des MMF wagt noch einen Blick in die Zukunft: "Den Countertenor Valer Sabadus sollte man auf jeden Fall im Auge behalten!" Der gebürtige Rumäne tritt am 8. September im Kloster Machern bei Bernkastel-Kues auf.
Karten für die Veranstaltungen des Mosel Musikfestivals gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets