Vom Bett zum Bunker

Kolumnen-Autor, Zeichner, Songwriter, Gitarrist und Punkrock-Schlagzeuger: Uwe Reinhard - besser bekannt als Jimi Berlin - macht schon immer das, was er will. Am Samstag zeigt das der Trierer Universalkünstler gleich auf zwei Bühnen in Trier.

Zeitsprung in die 90er: Die Welt hört Grunge und Eurodance. Städte stehen als Synonym für Musikrichtungen. Hamburg für deutschen Befindlichkeits-Pop, Seattle für Grunge, Trier steht für - nichts. Stopp! Das ließe sich popkulturell vielleicht über manche Dekade sagen, aber nicht für die 90er. Während Eintracht Trier weiter vergeblich aus der dritten Liga rauskommen will, gelingt das gleich einigen Bands. Schluss mit Regionalliga und Dorffest-Abo. Und das im bunten Stilmix - von Dark Wave bis Schlager, Punk-Polka bis Crossover.

Nicht nur Guildo Horn oder The Shanes haben bundesweit Fans gewonnen. Sev:N:Inch erhielten einen Vertrag bei einem Major-Label, Catastrophe Ballet waren in der Gothic-Szene etabliert und auch die Organic Anti Beat Box Band, The Flaming Toasters und 5 im Grünen Bett tourten kreuz und quer durchs Land. An den letzten beiden Bands war Uwe Reinhard maßgeblich beteiligt, als Bassist, Songschreiber und Sänger.

Vor allem der 1996 von SWR 3 verliehene Titel "Rookie of the Year" brachte 5 im Grünen Bett reichlich Auftritte - etwa beim Balingen Open Air vor 25 000 Zuschauern. Warum es dann nach zwei erfolgreichen Alben nicht so weiterging? "Unser zweites Album ‚Die Bedeutung von Sex' war grandios gefloppt", erinnert sich Reinhard. "Wir hatten damals viele NDW-Elemente auf dem Album. Ein paar Jahre später hatten Wir sind Helden mit fast dem gleichen Sound großen Erfolg."

Er hatte schnell das nächste Projekt am Start: Jimi Berlin mit Reinhard als klassischem Songwriter gibt es heute noch. "In diesem Jahr wollen wir unser fünftes Album rausbringen", kündigt Reinhard an. Dass das Interesse dafür ungebrochen ist, zeigte sich vor Weihnachten beim Auftritt im Café Lübke - vor fast 150 Zuschauern.

Am Samstag ist Reinhard, der auch als Kolumnist und Zeichner bekannt ist, gleich doppelt im Einsatz - mit zwei grundverschiedenen Bands beim Bunker-Bebt-Festival im Exhaus. Zum Auftakt gibt's sozusagen das Fitness-Programm für ihn - als Schlagzeuger der Ramones-Tribute-Band The MoRanes. "Ich habe erst vor vier Jahren mit Schlagzeugspielen angefangen. Das macht schon Spaß", sagt Reinhard, der im Hauptberuf als Krankenpfleger-Lehrer arbeitet.

Zum Bass greift er dann beim Auftritt mit dem Elektro-Trio Komputer Komputer, das als letzte Band im großen Exil auftreten wird. Logistisch kein Problem, sagt er. "Es liegt ja eine Stunde zwischen den beiden Auftritten. Da werde ich mir auch noch einige andere Bands anschauen können." Gespannt ist er auch darauf, was sein MoRanes-Bandkollege Achim Wollscheid im Exhaus-Innenhof an die Wände werfen wird. Der in Frankfurt lebende renommierte Lichtkünstler wird bei Bunker Bebt den Innenhof illuminieren.

Beim traditionellen Festival der im Hochbunker Trier-Nord probenden Bands ist Reinhard erst seit ein paar Jahren Stammgast. Er war aber einer der ersten, die Werbung für den 1994 eröffneten Probenraum-Bunker gemacht haben. "Der SWR hat damals einen Fernsehbeitrag über den Bunker gedreht. Wir haben mit den Flaming Toasters das Team durch das Haus geführt - auch wenn wir dort gar keinen Probenraum hatten." Karten für das Festival mit 16 Bands auf drei Bühnen gibt es in den TV-Service-Center Trier, Bitburg und Wittlich.

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