Vom Bummelzug zum Express

TRIER. Nach zähem Beginn läuft der Konstantin-Express auf vollen Touren. Die Ausstellungsmacher nutzten gestern die Gelegenheit des internationalen Kolloquiums, um der versammelten Presse den aktuellen Stand der Umbauarbeiten im Landesmuseum zu präsentieren.

Überall im altehrwürdigen, aber derzeit weitgehend leeren Museum wird gehämmert, gebohrt und geschweißt. Fingerdicker Staub liegt auf Böden und Fensterbänken, unterschenkeldicke Kabelbündel quellen aus Wänden, hinter abgeschlagenem Verputz lugt historischer Stuck hervor. "Hier können wir einigermaßen sicher stehen", sagt Bau-Manager Mario Adams zu der schutzhelmlosen Journalistentruppe. Im selben Moment rieselt zwei Meter entfernt unter mächtigem Bohrer-Getöse roter Sand aus der Decke. Ein Besuch im Landesmuseum gleicht dieser Tage einem Abenteuer-Urlaub. Aber hinter dem Chaos steckt System - das darf man wohl auch erwarten, wenn zehn Millionen Euro verbaut werden. Und mit ein bisschen Fantasie kann man sich die imposanten Perspektiven bildlich ausmalen, die Ausstellungs-Chef Eckart Köhne im grauen Ambiente ausbreitet.Alte Wandgestaltung wieder freigelegt

Besonders der Eingangsbereich zur Weimarer Allee hin zeigt auf, was die Besucher in eineinhalb Jahren erwarten dürfte. Stück für Stück wird dort die ursprüngliche Innenarchitektur wieder kenntlich gemacht, die übereifrige Neuerer in den sechziger Jahren unter langweiligem Einheitsverputz versteckten. Bögen, Verzierungen: Alles wird restauriert, nachdem bei den Bauarbeiten überraschend zum Vorschein kam, was sich hinter den äußeren Schichten verbarg. Leider reicht das Geld nur, um die beeindruckende Eingangshalle entsprechend "aufzubrezeln". Mehr lässt die Kostenkalkulation nicht mehr zu. "Hätten wir vor zwei Jahren gewusst, was da noch alles ist...", sagt Mario Adams mit dem Unterton des Bedauerns. Natürlich bleiben die anderen Räumlichkeiten der rund 2000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche nicht im jetzigen Zustand. Neue Durchgänge werden gebrochen, Klimaanlagen installiert, Böden und Decken aufgearbeitet. So entsteht ein Rundgang, der Ausstellungs- und Ruheflächen verbindet und darüber hinaus Raum für Multimedia-Präsentationen, Kinderbereiche und einen Museums-Shop schafft. Kein leichter Job in diesem "vertrackten Gebäude" (Köhne) mit seinen unterschiedlichen Geschosshöhen von Hauptbau, Alt-Anbau und Neu-Anbau. Letzterer soll übrigens nach 18 Jahren ordentlich aufgemöbelt werden, auch wenn künftig der Haupteingang wieder am Alleenring residiert.Architektenwettbewerb für Innenausbau

Für die Innen-Architektur hat man einen Wettbewerb ausgeschrieben, sechs renommierte Büros arbeiten zurzeit an Entwürfen und Konzepten. Im November soll die Jury tagen. Den "nächsten großen Meilenstein" nennt Eckart Köhne die anstehende Entscheidung und verspricht "möglichst viel Transparenz". Wenn das Grundkonzept steht, soll ab Januar unter Berücksichtigung der dann hoffentlich weitgehend feststehenden Leihgaben die Detail-Planung angegangen werden. Die Bauleute sind mit dem Stand der Dinge zufrieden. "Wir kommen trotz des hohen Zeitdrucks gut zurecht", sagt Mario Adams. "Falls keine Baufirma pleite macht", fügt er hinzu, aber es klingt nicht nach akuter Gefahr. Manches könnte fast schon so bleiben, wie es ist. Die Gala-Treppe vom Eingang zum Obergeschoss beispielsweise, die einen prächtigen Blick auf die eingerüstete Kopie der Igeler Säule und den Innenhof liefert. Dort stehen kistenweise Pflastersteine, teils als Sicherung für das Gerüst, aber auch als Künder einer künftigen, prächtigen Innenhof-Gestaltung.

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