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Vom Charme des Retro-Chic

Vom Charme des Retro-Chic

Mit einer klassischen schwarzen Komödie wartet die Trierer English-Drama-Group in der Vorweihnachtszeit auf. Bei "Arsen und Spitzenhäubchen" geht es um aus erblichem Irrsinn gespeiste Mordlust. Dazu können die Zuschauer noch ihre Englischkenntnisse aufpolieren.

Trier. Während an den professionellen Theatern landauf und landab die Dekonstruktion klassischer Stoffe exerziert wird und danach vom Original nicht mehr viel zu erkennen ist, spielt sich bei der aktuellen Produktion der Trierer English-Drama-Group in der Tuchfabrik alles nach dem ursprünglichen Plan des Autors ab. Joseph Kesselrings "Arsenic and Old Lace - Arsen und Spitzenhäubchen" (hier in amerikanischer Originalfassung) avancierte schon in den 1940er Jahren zum Riesenerfolg am New Yorker Broadway, mit Boris Karloff, dem Star aus dem Film "Frankensteins Monster" als Jonathan, sowie als Kinofilm mit Cary Grant als Mortimer.
Das makabre Lustspiel basiert auf einer wahren Geschichte und zeigt die Abgründe der menschlichen Seele am Beispiel einer mordlüsternen Gaga-Familie im Brooklyn der Vorkriegszeit.
Die Theatertruppe um Regisseurin Elke Nonn hat sich der Pflege der englischen Sprache verschrieben, verbunden mit großer Leidenschaft fürs Drama. Sie präsentiert den Stoff als klassisches Theater mit historisierender Ausstattung. Das mag ein wenig aus der Zeit gefallen wirken, verströmt aber den dezenten Charme des Retro-Chic.
Was vor 40 Jahren als Studentenprojekt an der Uni startete, hat sich mittlerweile ambitioniert entwickelt und vereint Mitspieler quer durch die Gesellschaft. Dramatisch und komisch ist auch das Spiel auf der Bühne bei der Premiere am Dienstag: Alle 15 Akteure - plus noch einmal so viele hinter der Bühne - spielen sich die Seele aus dem Leib. Anfangs, wohl dem Lampenfieber geschuldet, noch mit angezogener Handbremse, im Laufe des zweistündigen Stückes entwickelt sich dann ein engagiertes und differenziertes Theaterspiel. Das fesselt die Zuschauer und bringt manch' spontanen Lacher. Absolut respektabel, was da in monatelanger Arbeit auf die Beine gestellt wurde, auch angesichts der großen Textmengen und hohen Anforderungen an das Timing. Ein absolut sehens- und erlebenswerter Abend für Freunde des angelsächsischen Humors und der englischen Sprache. DT
Weitere Vorstellungen: Sonntag, 6. Dezember, 16 Uhr, und Dienstag, 8. Dezember, 20 Uhr. Karten gibt es im TV-Service-Center Trier.